Am Dienstag, den 9. Mai, hat sich der Professor der Physik Joh. Daniel Titius 90
(1729— 96), ein Landsmann Soermans', mit dem Spruche eingetragen: Vhi bene, ihi patria.
Zu Konitz in Westpreuſsen geboren, ward er nach dem frühen Tode seines Vaters im Hause seines mütterlichen Oheims, des Professors Hanov in Danzig, erzogen, der ihn auch das dortige Gymnasium besuchen liefs. Nach Absolvierung seiner Studien in Leipzig kam er 1756 nach Wittenberg als Professor der Mathematik und ward 1762 Professor der Physik. Seine zahlreichen Schriften zielten auf die Popularisierung der Naturwissenschaften und die Nutzbarmachung ihrer Resultate fürs praktische Leben. Bei der Belagerung Wittenbergs im Jahre 1760 verlor er durch die Feuersbrunst alle seine Handschriften, die zum Peil schon für den Druck fertig waren. Mit seinem Namen ist in der astronomischen Wissenschaft jenes Gesetz über die Abstände der Planeten von der Sonne benannt, für das er eine einfache Formel gefunden hat, nach der man seit Kepler so lange vergeblich suchte. Er hat sie in einer Note zu seiner deutschen Uber- setzung von Bonnets Contemplation de la nature 1766 mitgeteilt. Man nennt sie auch das Bode'sche Gesetz, indes mit Unrecht, da dieser Astronom(1747— 1826, seit 1772 in Berlin) nur das Verdienst hat, 1772 in der 2. Ausgabe seiner„Anleitung zur Kenntnis des gestirnten Himmels“ auf die von Titius gefundene Regel von neuem hingewiesen zu haben. Nachdem sie durch die bald darauf 1781 von Wilh. Herschel gemachte Ent- deckung des Uranus eine Bestätigung gefunden hatte, hat sie durch die nachdrückliche Hinweisung darauf, dals die Lücke zwischen Mars und Jupiter durch zur Zeit noch un- bekannte Planeten unzweifelhaft ausgefüllt werde, zur Entdeckung der Planetoiden, deren erste in der Neujahrsnacht 1801 erfolgte, ihr Teil beigetragen.— Titius hat auch ver- schiedene einzelne Gedichte verfafst, von denen eines, das K. Goedeke in seinem Grund- riſs zur Geschichte der deutschen Dichtung im IV. Bande S. 58 anführt:„Das Frhabene eines Rechtsgelehrten“(1748), für Soermans noch ein besonderes persönliches Interesse haben mochte.
An demselben Tage hat sich der Vater eines berühmten Physikers eingetragen, des durch die Entdeckung der Klangfguren und die noch heute geltende Deutung der Meteore als kosmischer Gebilde bekannten Ernst Florens Friedrich Chladni(1756— 1827). Der Vater, Ernst Martin Chladni, ein Rechtsgelehrter, zu Wittenberg 1715 geboren 71 und 1781 gestorben, an der Universität seit 1746 als auſserordentlicher, seit 1752 als ordentlicher Professor der Rechte thätig, hat sich also eingezeichnet:
Pyout Religio suggerit. Memoriae causa
cripsit Vitembengue Eynestus Martinus Qladenius, D. Sereniss. Princ. Elect. Sacon. a Consil. Aulae et Justitiue, Consist. Eocles. Mi- ECCLX recton, Acad. et Facult. Nn. Ondinarius,
Qur. Provine et Scabin. Assessor.
Die angeführten Würden: Kursächsischer Hof- und Justizrat, Direktor des Konsistoriums,
Beisitzer des Hofgerichts und des Schöppenstuhls, erhielt er 1763. 4*


