können, überdauerte nur wenige Jahre ihr 300 jähriges Jubiläum. Die Universität Luthers und Melanchthons, von der einst das Licht der Reformation ausging, hatte im Laufe des XVIII. Jahrhunderts hauptsächlich in Folge der Gründung der Universitäten Halle und Göttingen viel von ihrem Glanze verloren. Während sie einst aus den entferntesten Ländern die Zöglinge an sich zog, auch die aus Ungarn und Siebenbürgen ihr bis in diese Zeit hinein, die uns beschäftigt, treublieben, war sie in der Frequenz, selbst im Vergleich mit dem XVII. Jahrhundert, gewaltig zurückgegangen, wie aus einer kleinen Tabelle zu ersehen ist, in der wir für die gleiche Reihe von zehn Jahren des XVII. und des XVIII. Jahr- hunderts(1662— 71 und 1762— 71) die Zahl der Immatrikulationen zusammengestellt haben: 16 305 333 375 347 1464 350 303 325 274 266 60 0 05 20 96 142 120 Zwar besals sie auch noch in dieser Zeit unter den Professoren ausgezeichnete Gelehrte von bedeutendem Rufe, aber auch sie vermochten den Niedergang nicht mehr aufzuhalten. Die Stadt hatte durch den letzten, den siebenjährigen Krieg furchtbar gelitten, und noch jetzt lag ein Viertel der Häuser in Folge des Bombardements im Oktober 1760 in Trümmern. Sie konnte sich auch in den folgenden Jahrzehnten noch nicht erholen, und als die Napoleonischen Kriege 1806— 15 neue Leiden über sie brachten, war es um die Universität geschehen. Die Professoren wandten sich nach der Einverleibung Wittenbergs in Preulsen nach Halle, und am 12. April 1817 ward durch einen Kabinettsbefehl die Vereinigung beider Universitäten endgültig ausgesprochen, nachdem sie am 12. April 1815 thatsächlich erfolgt war.
Unter den Ersten, die sich zu Wittenberg in das Stammbuch eingeschrieben haben, finden wir den Kirchenhistoriker Joh. Matth. Schröckh. FEr war 1733 zu Wien von protestantischen Eltern geboren. Sein Vater, Johann Wolfgang, war k. k. Nieder- lagsverwandter, d. h. er gehörte zu jener Gesellschaft von Groſskaufleuten Protestantischen Bekenntnisses, die zwar ihrer Religion wegen in Wien nicht Bürger werden konnten, die aber, da sie durch ihren Fleiſs und Unternehmungsgeist dem Staate sehr viel Nutzen brachten und nicht wohl zu entbehren waren, von der Regierung auf ihr Nachsuchen die besondere Prlaubnis zur Anlage von Warenlagern und noch andere Freiheiten erhielten. Die Mutter, Euphrosyne, war die Tochter des Seniors der lutherischen Gemeinde zu Prelsburg, Matthias Bel(1684— 1749), der sich durch seine Geschichtswerke über Ungarn in der Wissenschaft einen geachteten Namen erworben hat. Durch die Bedrückungen, denen sein Glaube vielfach in den österreichischen Ländern unterlag, wurde in dem jungen Schröckh früh der Eifer für Religion und durch die historischen Studien seines Groſs- vaters in Preſsburg, wo er bis zu dessen Tode das Lyceum besuchte, das Interesse für geschichtliche Forschungen erweckt. Nachdem er noch die Schule zu Klosterbergen bei Magdeburg, auf die ihn seine Eltern gaben, besucht hatte, bezog er 1751 die Universität Göttingen, wo der Orientalist J. D. Michaelis groſsen Finfluſs auf ihn übte. Im J. 1754 wurde er von seinem mütterlichen Oheim, dem Professor K. A. Bel in Leipzig, der in diesem Jahre die Redaktion der Acta Eruditorum Lipsiensium und der Leipziger Gelehrten Anzeigen übernommen hatte, als Mitarbeiter an denselben dorthin gerufen. In Leipzig wurde für ihn die Bekanntschaft Joh. Aug Prnesti's von groſser Bedeutung, zu dem er in
der Folge in ein freundschaftliches Verhältnis trat. Beide Männer werden wir später Koiserin Augusta-Gymn. 1902. 4
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