gogischen Studien überdrüssig, wieder der Theologie zu, lebte abwechselnd an verschiedenen Orten und starb zu Magdeburg 1790. Das Philanthropin aber ging, nachdem sich die tüchtigsten Mitarbeiter zerstreut hatten, 1793 gänzlich ein.— Basedows Finschrift lautet:
Wer kann Freiheit zu denken wehren? Aber Freiheit, nach unſerm Gewiſſen, von Gott und göttlichen Dingen, laut zu re⸗ den und oft zu ſchreiben, wo iſt die? Ich habe dieſe glück⸗ liche Inſel vergeblich geſucht. Gott gebe, daß wenigſtens Einer meiner Enkel ſie finde!
Deſſau am 2 May J. B. Baſedow.
1775.
Es scheint, als ob Basedow diese Worte in der Erinnerung an die Erfahrungen, die er in Sorö und Altona gemacht hatte, geschrieben habe und, wie jenem Coblenzer Tisch- nachbarn, so auch diesem Besucher gegenüber mehr seine theologischen als seine päda- gogischen Ansichten habe zur Geltung bringen wollen. Während die Nachwelt Basedows Verdienste besser zu würdigen weils, hatte er in seinem Leben viele Feinde und Neider. Die Stimme eines solchen Gegners glauben wir 140 in der Einschrift des Kommissionsrates Carl Ludwig von L'Estocq(1725— 1807) zu vernehmen, der sich Basedow gegenüber mit den Worten eingeschrieben hat:
Ein unruhiger Thor glaubt ohne Umſturz der guten Ordnung in der Republik nicht glücklich ſeyn zu können; der wahre Weiſe aber unter⸗ wirft ſich den göttlichen und weltlichen Geſetzen. TLegibus parere Summa libertas.
Belieben Sie, Hochgeehrteſter Herr
Deſſau Landsmann Sich zuweilen gütig zu d 2 May erinnern Ihres 1775 ergebenſten Dieners
C E v. T Estocq Fürſtl. Anhalt. Deſſauiſcher Kommiſſions⸗Rath.
L'Estocq war zu Danzig geboren und hatte auch das dortige Gymnasium pesucht. Nachdem er von 1745 an zu Leipzig und Halle dem Studium der Medizin und der schönen Wissenschaften obgelegen, ward er 1750 Erzieher des jetzigen Fürsten, der damals noch Erbprinz war und im 10. Lebensjahre stand. Zum Kommissionsrat ward er im Jahre 1758 ernannt, in dem der junge Fürst für groſsjährig erklärt wurde und die Regierung antrat.— Wie Büsching in Berlin im folgenden Jahre 1776 in seiner Ein- Schrift auf Basedow Bezug genommen hat, werden wir später sehen.
Wittenberg, Sonnabend, den 6. Mai— Montag, den 15. Mai 1775.
Die Universität Wittenberg, 1502 am 18. Oktober vom Kurfürsten Friedrich III., dem Weisen, gestiftet, die also in diesem Jahre 1902 ihr viertes Säkularfest hätte feiern


