Teil eines Werkes 
1. Teil (1902)
Entstehung
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geworden ist, Johann Bernhard Basedow(172390), der Reformator des Erziehungs- 141

und Unterrichtswesens, Anfang Dezember 1771 niedergelassen und hier die Gelegenheit erhalten, seine längst gehegten und immerfort von neuem ausgesprochenen Gedanken zu verwirklichen. Als er noch Professor der Moral und der schönen Wissenschaften an der Ritterakademie zu Sorö auf Seeland war(1753 61), wo er durch einen geschickten und erfolgreichen Unterricht den Neid und die Eifersucht der Kollegen erregte, hatte er seine reformatorischen Ideen über die Verbesserung des Schulunterrichts in der SchriftPrak- tische Philosophie für alle Stände 1758 zuerst ausgesprochen. Sie fanden zwar den Bei- fall solcher Männer wie Gellert, aber nicht den seines Kurators, des Grafen v. Daneskiold, auf dessen Betrieb Basedow an das Gymnasium zu Altona versetzt wurde. In Altona 1761 71) brachte er durch seine freimütigen theologischen Schriften, in denen er aller- lei heterodoxe Ansichten vortrug, z. B. die Ewigkeit der Höllenstrafen bestritt, die Kinder- taufe verwarf, die orthodoxe Geistlichkeit gegen sich auf. Die Folge war, dafs seine Schriften in mehreren deutschen Staaten verboten, er und seine Familie vom Abendmahl ausgeschlossen wurde. Zuletzt wurde er 1767 selbst vom Amte suspendiert, freilich mit Belassung seines Gehaltes, da er an dem Minister v. Bernstorff einen Beschützer fand. Er widmete sich nun ganz der Pädagogik. In rascher Folge erschienen seine Schriften, in denen er seine Ideen über eine vernunft- und naturgemäſse Erziehung der Jugend unter grolsem Beifall entwickelte und zu Geldbeiträgen für ein nach diesen Grundsätzen anzu- legendesSeminar für Kinder, künftige Lehrer und Hausbediente aufforderte. Durch briefliche und persönliche Vorstellungen war es ihm gelungen, bis Mai 1771 15 000 Thaler zusammenzubekommen; aber er bedurfte noch weiterer 27 000 Thaler. Die Reisen, die er nun im Interesse des Werkes durch die Städte Norddeutschlands unternahm, führten ihn auch nach Dessau, wo er durch Behrisch, Goethes einstigen Mentor in der Leipziger Zeit, dem Fürsten bekannt wurde. Dieser nahm ihn in seine Dienste mit einem Gehalte von 1100 Thalern, wozu noch die dänische Pension von 800 Thalern kam. Nach dem Willen des Fürsten brachte er das seit mehreren Jahren angekündigteElementarwerk in 4 Bänden Ostern 1774 zu Stande. Es fand zwar wieder allgemeinen Beifall und wurde sogar in mehrere fremde Sprachen übersetzt; aber es hatte nur geringen praktischen Erfolg und wurde nur wenig im Unterricht der öffentlichen Schulen verwertet. Auch gingen die Gelder zur Gründung jener Musteranstalt nicht in dem erwarteten Maſse ein. Um das Publikum zu grölserer Teilnahme anzustacheln, unternahm er im Sommer jene Reise, die ihn im Juli und August mit Goethe und Lavater zusammenführte. Goethe hat uns im XIV. Buch von Wahrheit und Dichtung ihre gemeinsame Reise an den Rhein beschrieben, die ihn auch zu dem GedichteDiner in Coblenz anregte. Wiewohl die Reise nicht den gehofften materiellen Erfolg hatte, wovon uns Goethe in jener Erzählung die Erklärung giebt, eröffnete Basedow nach seiner Rückkehr trotz des Mangels an Baulich- keiten, Lehrern, Schülern, Büchern und Geldern am 27. Dezember 1774 das Philanthropin, das zunächst nur kümmerlich gedieh. In diese Zeit fällt Soermans' Besuch. Fin öfientliches Examen, zu dem Basedow für den 13. Mai 1776 eingeladen hatte, rief die an- geschensten Männer dorthin; die aufgewiesenen Resultate erweckten Vertrauen und lockten mehr Zöglinge herbei. Indessen, gerade als die Verlegenheiten vorüber, Gebäude und Gelder vorhanden waren, legte Basedow infolge von Zerwürfnissen mit seinen Mit- arbeitern die Pirektion der Anstalt 1778 nieder. Er wandte sich nun, seiner päda-