— 2
Geister zu machen strebte und mit dem er bald in persönliche Konflikte geriet, kehrte er 1804, nach 25 Jahren, nach Halle zurück, wohin er einen Ruf als Professor der Beredsamkeit erhalten hatte. Ein königliches Gnadengeschenk von 10 000 Thalern setzte ihn in die Lage, das Semlersche Haus anzukaufen, in dem er jedoch in den nächsten Jahren während der Napoleonischen Kriege allerlei Ungemach erleiden sollte. Als nach der Schlacht bei Jena und Auerstädt die Franzosen im Oktober 1806 Halle besetzten, wurde sein Haus, aus dem von Fremden ein Schuls abgegeben worden war, verwüstet und ausgeplündert; er selbst wurde verhaftet und erst, nachdem er mancherlei Gefahr aus- gestanden, wieder freigelassen. Als Napoleon am 20. Oktober die Aufhebung der Uni- versität verfügte, wurde sein Gehalt wie das der übrigen Lehrer einbehalten, und Schütz war genötigt, einen wertvollen Teil seiner Bibliothek zu verkaufen. Zwar wurde die Universität von der westfälischen Regierung wieder hergestellt, aber 1813 von Napoleon zum zweiten Male aufgehoben. Erst nach der Schlacht bei Leipzig kehrten für die Uni- versität und auch für Schütz ruhigere Zeiten zurück. Die letzten Jahre seines Lebens war er mit philologischen Arbeiten beschäftigt. Er starb am 7. Mai 1832, wenige Wochen nach Goethes Tode.
Zuletzt hat sich am Sonnabend, den 15. April, der Professor Georg Friedrich
159 Meier(1718— 77) eingeschrieben, der seiner Zeit durch seine Vorlesungen wie durch
seine Schriften, die sich beide grolser Beliebtheit erfreuten, einen weitreichenden Ein- fluls übte und sich um die Popularisierung der Wissenschaften und Künste bleibende Ver- dienste erwarb, wie er denn z. B. in dem Bestreben, allgemein verständlich zu sein, mit vielem Glück für schwierige philosophische Begriffe deutsche Bezeichnungen fand, die sich bis heute erhalten haben. Jüngerer Talente nahm er sich mit groſsem Fifer an. So hatte er, als die ersten drei Gesänge von Klopstocks Messias 1748 in den Bremer Beiträgen erschienen, durch seine Schrift„Beurteilung des Heldengedichts des Messias, 1749“, die eigentlich ein Panegyricus war, die allgemeine Aufmerksamkeit des Publikums auf dieses Gedicht gelenkt und, wie er sich selbst rühmen konnte, diesem„göttlichen“ Gedichte viele Verehrer verschafft. Bbenso hatte er Wieland durch eine empfehlende Vorrede zu dessen Erstlingswerk„Die Natur der Dinge“ 1752 in die litterarische Welt eingeführt. So hatte er auch die Dichterin Anna Louise Karschin(die sich im nächsten Jahre in Soermans' Stammbuch einzeichnete), aufgemuntert, als sie sich an ihn, der ihr nur durch seinen Ruf bekannt war, wandte und eines ihrer Lieder zuschickte. Er hat sich in das Stammbuch mit einem Citat aus Martial's Epigrammen I 15, 11— 12 eingetragen, das er übrigens nach Rob. und Rich. Keil, deutsche Stammbücher, S. 194 No. 1008 schon im Jahre 1748 zu einer Finschrift in ein Stammbuch benutzt hat:
Non est, crede mihi, sapientis dicere: vivum; Sena nimis vita est crastina, vive Nodie.
Dessau, Dienstag, den 2. Mai 1775.
In Dessau hatte sich auf den Ruf des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz (751— 1817), dessen treffliche Regierung für das Land in vielfacher Hinsicht segensreich


