gehabten Gehalt Einhundert Reichsthaler, wozu ihm 1746 etwas von des verstorbenen Geh. Rat Gassers Besoldung zugelegt wurde. Dabei bekam er zugleich die Hälfte der Fakultäts- sporteln, welche letzterer genossen hatte. Die andere Hälfte wurde dem Hofrat Schlitte zugeschrieben, welchem er aber mit der Hoffnung zu succediren adjungiret wurde. Er folgte ihm auch nach dessen im Jahre 1748 erfolgtem Absterben in dem völligen Genuſs.“ Während des siebenjährigen Krieges war er bei einer„Invasion“ Halles durch„Reichs- völker“ im August 1759 mit anderen angesehenen Personen als Geisel fortgeführt und bis zum November 1762 in Nürnberg gefangen gehalten worden. Als zu dieser Zeit der preuſsische General Kleist mit einem kleinen Korps leichter Truppen nach Franken kam, wurde er mit den übrigen preuſsischen und hessischen Geiseln weiter fortgebracht. Aber durch den preufsischen Gesandten am BReichstage zu Regensburg, Freiherrn v. Plotho, denselben, der den Dr. Aprill, als er ihm die Reichsacht gegen seinen König„insinuieren“ sollte, so eigentümlich behandelte, wurden bei jenem General über den Aufenthalt und wegen der Befreiung der Gefangenen„Insinuationen gemacht“, und dieser liels durch ein Kommando Husaren die Geiseln abholen und nach Ilmenau bringen. Aber nur mit knapper Not entging Carrach einer abermaligen Gefangennahme durch feindliche Truppen, die sich in der Nähe aufhielten und mit denen es auch bald hinterher zu einem Gefechte kam, und erlitt auf der Weiterreise, die eben wegen dieser Gefahr beschleunigt werden muſste, noch durch einen Sturz vom Pferde für die ganze Zeit seines Lebens einen schweren Leibesschaden. Zu Halle wurde ihm im Sept. 1763 mit dem Ordinariate der Juristen- fakultät das Direktorat der Universität übertragen, wobei sein Gehalt von 300 Rthlrn. um 182 Bthlr. erhöht wurde. Er starb noch in diesem Jahre 1775 am 21. Oktober.
Sein Nachfolger in der letztgenannten Würde ward Paniel Nettelbladt, Pot. Bor. Regi a Cons. int.[1766]) et Prof. Iur. ord.[1746), der sich an demselben Tage mit einer Sentenz aus Seneca eingezeichnet hat:
Ideo peccamus, quonium de purtibus vitue deliberamus omnes, de
tota vita veno delibenat nemo.
Nettelbladt zählte als Lehrer wie als Schriftsteller zu den ersten Juristen seiner Zeit. Von Rostock, wo er 1719 geboren war und wo er auf der Universität nach dem Willen seines Vaters anfangs Theologie, nach dessen Tode Jurisprudenz studierte, war er 1740 nach Marburg gegangen, um seine Studien unter der Leitung des Philosophen Wolf, der mit ihm verwandt war, fortzusetzen. Als Wolf nach der Thronbesteigung Friedrichs des Groſsen nach Halle zurückberufen wurde, folgte er ihm auch dorthin. Hier begann er 1744 seine Lehrthätigkeit, in der er sich als ein eifriger Anhänger Wolfs bewies und die er bis an seinen Tod 1791 ausübte.
An dem gleichen Tage schrieb sich Joh. Sal. Semler(1725— 91), der Haupt- repräsentant der theologischen Aufklärung des XVIII. Jahrhunderts, ein. Er war 1752 von der Universität Altdorf, wo er Professor der Geschichte und Poesie Var, nach Halle gekommen, wo er als Professor der Theologie mit groſser Pntschiedenheit und Kühnheit eine neue Richtung, die historisch-kritische, in der Bibelauslegung begründete und mit einem von Jahr zu Jahr sich steigernden EFinflufs im Sinne der Aufklärung arbeitete. Mit einer überaus charakteristischen Handschrift, die das Unbeholfene, Eckige und


