1770— 75 besalsen seine Vorlesungen die höchste Anziehungskraft, die sie in diesem Grade weder vorher noch nachher wieder erreicht haben. Von der gesamten Göttinger Studentenschaft bildeten in dieser Zeit die Juristen die Hälfte, und wiederum die Hälfte von diesen besuchte seine Hauptvorlesungen über deutsches Staatsrecht, Reichs- geschichte und Reichsprozels. Die Kompendien, die er zunächst nur zum Gebrauch bei seinen Vorlesungen verfaſst hatte, wurden damals fast überall in Deutschland von den Universitätslehrern ihrem Unterrichte zu Grunde gelegt. Um Göttingen hatte Pütter sich noch ein ganz besonderes Verdienst dadurch erworben, dafs er, wie er selbst zwar eine vornehme, aber doch gesellige Natur war, den gesellschaftlichen Verkehr in den ge- bildeten und einflufsreichen Kreisen auf eine höhere geistige Stufe erhob. In seinem ge- räumigen Hause veranstaltete er alle Montag Nachmittag Privatkonzerte, in denen er selbst die Geige spielte und die zu einer gewissen Berühmtheit gelangten. Er wurde dann auch der Begründer der öffentlichen Konzerte, die alle Sonnabend im Konzilienhause unter Leitung Joh. Nik. Forkels(Seit 1769 in Göttingen) stattfanden.— Er hat sich folgendermaſsen in das Stammbuch Soermans' eingeschrieben: VDeo et reipublicae NHonoris et memoriae caussa scripsit Joannes Stephanus Pütter 1. v. D.[1748] regi a consil. iust. int.[1770] et prof. iuris publ. ord.[1757] in Georgia Augusta. Gottingae d. 29. Sept. 1774. Denselben Wahlspruch benutzte nach Rob. und Rich. Keil, Deutsche Stammbücher, S. 189, Nr. 969 Pütter schon im J. 1749 zur Fintragung in ein Stammbuch, wo er sich noch unterzeichnete J. U. D. et Prof. extraord. in Georgia Augusta.
Wie Pütter veranstaltete auch der oben genannte Professor Böhmer und der Stadtkommandant während des Winters alle Sonntag Nachmittag Gesellschaften, und das Haus des Kommandanten pflegte der Sammelpunkt der zahlreichsten Gesellschaft zu sein. Es fanden sich dort die Professoren mit ihren Gattinnen, Offiziere, Mitglieder der Stadt- obrigkeit und andere Honoratioren, sowie junge Grafen und Adlige, die in Göttingen studierten, ein; Studenten bürgerlicher Herkunft scheinen nur ausnahmsweise Zutritt gehabt zu haben. In den Jahren 1774— 76 bekleidete das Amt des Stadtkommandanten der General Georg v. Walthausen, der sich folgendergestalt in das Stammbuch ein- 53 gezeichnet hat:
Pro Patriã pati atque mori dulce et deconum est. Memoriae ac amicitiae causa ergo ſsic!] praenobilissimum possessorem Jaee pauca adjicere voluit: Gõttingae d. 30 Georgius à Walthausen inter Summos Sept. 1774. Erencit: N. M. Brit. Flect. Br. Luneb. Duces excubiarum et ei milituris Götting. Supremus praefectus, nec non primae
Legionis desultoniae pr. T Vuctor. Kaiserin Augusta-Gymn. 1902, 3


