Teil eines Werkes 
1. Teil (1902)
Entstehung
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Ferner zeichnete sich an diesem Tage der Mathematiker und Dichter Abraham Gotthelf Kästner(1719 1800) ein. Von seinem Vater, der Professor der Rechte an der Universität zu Leipzig war, zum Juristen bestimmt, war er mit 12 Jahren als Student der Rechte immatrikuliert und schon mit dem vierzehnten Jahre zum Notar ernannt worden. Er hatte sich dann aber doch, seiner innersten Neigung folgend, dem Studium der Mathematik, Physik und der verwandten Wissenschaften gewidmet und schon 1739, in seinem zwanzigsten Lebensjahre, als Privatdozent philosophische und mathematische Vor- lesungen zu halten angefangen. Ostern 1756 ward er als ordentlicher Professor der Mathematik und Physik nach Göttingen berufen, wo er dem mathematischen Unterrichte, der in jenen Zeiten auf den Universitäten noch auf einer ziemlich elementaren Stufe stand, sogleich durch Einführung der Differential- und Integralrechnung höhere und würdigere Ziele wies. Wenige Monate nach seiner Berufung brach der siebenjährige Krieg aus, und Göttingen wurde bis zum Oktober 1762 mehrfach auf längere Zeiten von französischen Truppen besetzt. Die fremden Offiziere benutzten den Aufenthalt in Göttingen dazu, Kästners Vorlesungen zu besuchen, der nach seinem Geständnis an ihnen eifrige und strebsame Zuhörer fand. Die nächste Zeit zwischen den Jahren 1760 80 war die erfolgreichste in Kästners akademischer Thätigkeit; seine Vorlesungen machten in dieser Zeit für Göttingen Epoche. Auch in der deutschen Litteratur nahm Kästner in dieser Zeit eine angesehene Stellung ein. Schon früh hatte er sich neben den mathematischen und naturwissenschaft- lichen Fächern mit den schönen Wissenschaften beschäftigt. Unter Gottscheds Leitung begann er sich in Leipzig in der Poesie zu üben, und seinen Lehren ist er auch in der Zukunft treu geblieben. Wenn er sich auch in mancher Hinsicht im Geschmack und Urteil seinem Meister überlegen bewies, hat er sich doch nicht, wie die Bremer Beiträger thaten, von ihm losgesagt, sondern ihm stets ein ehrendes Andenken bewahrt. Noch in Göttingen trat er in der Deutschen Gesellschaft, derenIltester er i. J. 1762 geworden, nach Gottscheds Tode zu dessen Verteidigung gegen die Schweizer auf. Andererseits war er auch mit Lessing noch von seiner Leipziger Zeit her eng verbunden, und auch später bestand zwischen beiden ein reger Verkehr. Den jungen Göttinger Dichtern war er sehr gewogen. In dem ersten Musenalmanache auf das Jahr 1770, den in ihrem Namen Boie herausgab, stammt dieNachricht des Verlegers aus seiner Feder. Aber auch andere Beiträge, namentlich Epigramme, steuerte er für diesen wie für die späteren Almanache bei. Auf seinen Epigrammen beruht vornehmlich seine Bedeutung für die deutsche Litteratur. Mit einem seiner Sinngedichte hat er sich auch in das Stammbuch ein- getragen:

Pracht, Reichthum, eitle Luſt kann ſie uns nicht gewähren, Was gieht die Weisheit uns? Den Geiſt, das zu entbehren.

Dieses Epigramm findet sich schon in der ersten Ausgabe seinerVermischten Schriften vom Jahre 1755 unter denSinngedichten auf Seite 168 mit der Uberschrift Die Vortheile der Weisheit und der UnterschriftContemtae dominus splendidior rei. Hor.[Carm. III 16, 25]). Diese Ausgabe hat Kästner Maupertuis, dem Präsidenten der Berliner Akademie der Wissenschaften, gewidmet, zu deren Mitglied er schon 1750 er- nannt worden war.

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