Zu den berühmtesten medizinischen Gelehrten seiner Zeit, namentlich auf dem Gebiete der Chirurgie und der Augenheilkunde, zählte der auch als Fachschriftsteller aus-
104 gezeichnete Professor August Gottlob Richter(1742— 1802). Er war wie Wrisberg
ein Zögling der Göttinger Universität(on 1760 an), und hat durch seine Lehrthätig- keit, die er seit 1766 übte und durch die er Mediziner aus allen Teilen der Welt, aus den höchsten, selbst fürstlichen Familien nach Göttingen zog, wesentlich zu ihrem Glanze beigetragen. Er schrieb sich am 29. September mit dem Wahlspruche ein:
Nec temere, nec timide.
Als Letzter der berühmten Professoren der Medizin zeichnete sich am 2. Oktober
153 John Andr. Murray aus Stockholm(1740— 91) ein und zwar mit dem Spruche
Natuna et arte.
Er war von der Universität Upsala, wo ihn Linné in die Botanik eingeführt hatte, im Jahre 1760 nach Göttingen gekommen. In medizinischen Fache ist er dadurch merkwürdig, dals er als einer der ersten, schon durch seine Inauguraldissertation de fatis variolarum insitionis in Suecia 1763, dann später auch durch andere Schriften für die Schutzpockenimpfung wirkte, die damals gerade in Europa eingeführt wurde. Der grölsere Teil seiner Thätigkeit bezieht sich aber auf die Botanik, die er auf besondere Erlaubnis schon vor seiner Promovierung an der Göttinger Universität lehrte und mit der er die Entomologie zu vereinigen suchte. Seine Verdienste in dieser Hinsicht hat zuerst Linné anerkannt, indem er ihm zu Ehren 1771 einen ostindischen Baum mit dem Namen Murraya exotica belegte, sowie er auch vorher ein von ihm entdecktes Insekt Cassida Murrayi“ genannt hatte. Und nicht bloſs die Göttinger Sozietät der Wissenschaften, sondern auch zahlreiche Akademieen und gelehrte Gesellschaften des Aus- landes, in Schweden, Dänemark, Frankreich, Schweiz und Italien, ehrten seine Verdienste, indem sie ihn zu ihrem Mitgliede ernannten.
An demselben Sonntage, wie der Mediziner Baldinger, haben sich noch mehrere andere namhafte Gelehrte eingezeichnet, unter ihnen der Historiker Johann Christoph
95 Gatterer, und zwar mit einer Sentenz, die aus den beiden letzten Hälften zweier
Hexameter aus Horaz' Episteln I, 1, 60. 61 znsammengesetzt ist: Hic murus aheneus esto: Nulla pallescere culpu.
Gatterer(1727— 1799), Sohn eines Dragonerunteroffiziers in Nürnbergischen Piensten, der„Mann seiner eigenen Thaten“, hatte schon auf der Universität Altdorf Geit 1747), wo er Theologie studieren sollte, sich ganz dem Studium der Geschichte, zu dem er bereits auf der Schule eine groſse Neigung gefalst hatte, gewidmet und es durch- geführt, indem er, da es dort an geeigneten Lehrern in diesem Fache fehlte, darin meist sein eigener Lehrer war. In Göttingen, wohin er 1759 berufen wurde, hat er während seiner 40 jährigen Thätigkeit als Lehrer wie als Schriftsteller eine neue Epoche in der deutschen Geschichtsforschung und darstellung herbeiführen helfen. Seine eigentliche Bedeutung liegt auf dem Gebiete der sogenannten historischen Hilfswissenschaften: der Diplomatik, Heraldik, Numismatik, Genealogie und Chronologie. Er hat die Wichtigkeit dieser Disziplinen für die Geschichtsforschung hervorgehoben, sie selbst erst wissen- schaftlich begründet und an den Universitäten eingeführt.


