Teil eines Werkes 
1. Teil (1902)
Entstehung
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Göttingen, Montag, den 19. September Montag, den 3. Oktober 1774.

Zu Göttingen stiftete Georg II., König von Groſsbritannien und Kurfürst von Hannover, nachdem schon 1734 die Vorlesungen ihren Anfang genommen, am 17. Sep- tember 1737 eine Universität nach den Ratschlägen seines Ministers Gerl. Ad. Frh. v. Münchhausen(1685 1770), der die vorzüglichsten Lehrer von andern Universitäten dorthin zu ziehen bemüht war und für eine reichliche Dotierung aller mit der Universität verbundenen Institute sorgte. Die Göttinger Universität, bei deren Einrichtung namentlich das 40 Jahre ältere Halle als Vorbild diente, erhielt gegenüber den älteren deutschen Universitäten einen ganz modernen Charakter. Da die Zöglinge namentlich für den höheren Staatsdienst vorgebildet werden sollten, fanden die Staatswissenschaften, Politik und Geschichte mit allen ihren Hilfswissenschaften eine besondere Pflege, und manche von diesen Disziplinen wurden in der That hier zuerst gelehrt. Aus diesem Grunde wurde auch auf die gesellschaftliche Bildung der akademischen Jugend grolser Wert gelegt, und alle Institute, die zu ihrer Ausbildung in den ritterlichen und gesellschaft- lichen Künsten dienen konnten, wie Reiten, Fechten, Tanzen, Musik, Zeichnen und Malen, wurden besonders reichlich ausgestattet. Göttingen wurde bald von der vor nehmen Jugend Deutschlands als ihre vorzüglichste Bildungstätte betrachtet, und schon vor Ablauf ihres ersten Semisäkulars war die Georgia-Augusta wohl die vornehmste Universität Deutschlands. Nachdem die Stürme des siebenjährigen Krieges, während dessen Göttingen wiederholt bald auf längere, bald auf kürzere Zeit von feindlichen tranzõsischen Truppen besetzt wurde, vorüber waren, begann die Glanzzeit der Uni- versität. Alle Fakultäten waren mit den berühmtesten Gelehrten ihrer Zeit besetzt; ganz besonders glänzend war die philosophische Fakultät vertreten, in der Namen wie Heyne und Michaelis schon auf Goethe anziehend wirkten, als er sich 1765 zum Besuch der Universität anschickte, und in ihm den sehnlichsten Wunsch erweckten, zu ihren Füſsen zu sitzen und auf ihre Lehren zu merken, bis seines Vaters Wille für Leipzig entschied (Wahrheit und Dichtung, VI. Buch). Fast alle Universitätslehrer haben sich in Soermans' Stammbuch eingezeichnet.

Mit der Universität standen drei gelehrte Gesellschaften im Zusammenhang, die durch königliche Bestätigung zu staatlichen Instituten erhoben worden waren, und denen anzugehören zugleich als Beweis für die wissenschaftliche Bedeutung eines Mannes gelten konnte. Dies trifft bei allen Göttinger Gelehrten zu, die sich in Soermans' Stammbuch eingeschrieben haben; ein jeder von ihnen gehörte der einen oder der anderen Ver- einigung an. Das gröſste Anschen hatte die noch heute bestehende Königliche Sozietät der Wissenschaften, die zur Förderung naturwissenschaftlicher, mathematischer und historisch- philologischer Kenntnisse auf Veranlassung des Frh. v. Münchhausen nach einem Entwurfe Albrechts v. Haller, der auch ihr erster ständiger Präsident wurde, i. J. 1751 von Georg II. gestiftet worden war. Nachdem Joh. Dav. Michaelis die Vorstandschaft, die er seit 1761 geführt, 1770 niedergelegt hatte, wurde kein ständiger Präsident mehr ernannt; sondern von nun an wechselte wie noch heute das Direktorium alljährlich zwischen den ältesten Mitgliedern. Um ihre Publikationen hat sich Heyne,