zeichner in ihren Handlungen leiten lieſsen. Indessen, auch da, wo eine solche besondere Beziehung der Denksprüche zu der einzeichnenden Person nicht erkennbar ist, flölsen viele Einschriften entweder wegen der Bedeutung, die die Person besals, ein Interesse ein, oder sie sind schon an sich selbst wegen ihrer Eigenartigkeit in Bezug auf Inhalt oder Form interessant.
Wenn wir uns die allgemeinen Zeitverhältnisse, unter denen Soermans' Reise stattfand, vergegenwärtigen, so fällt sie in die Mitte der Zeit des Friedens zwischen dem siebenjährigen Kriege und der französischen Revolution und liegt von beiden weltbewegenden Ereignissen je 12 bis 15 Jahre entfernt. Die Stürme des Krieges schwiegen; aber es lebten noch Friedrich der Groſse und Maria-Theresia; indessen sie beide waren nur noch bemüht, die Wunden, die jener lange, schwere Krieg geschlagen hatte, zu heilen und ihren Völkern die Segnungen des Friedens zu teil werden zu lassen. Kunst und Wissenschaft konnten ihrer stillen, aber um so eindringenderen und erfolgreicheren Arbeit nachgehen, die auch durch die näherliegenden Freignisse der ersten Teilung Polens und des bayrischen Erbfolgekrieges nicht wesentlich gestört wurde. Es ist diese Zeit das Zeitalter der Auf- klärung, der auch der mächtige Jesuitenorden zum Opfer fallen muſste. Seine Auf- hebung durch den Papst Clemens XIV. Ganganelli machte, wiewohl dieses Ereignis nicht unerwartet kam, nun, da es wirklich eintrat, namentlich in katholischen Ländern, einen ungeheuren Eindruck, von dem wir uns heute kaum eine rechte Vorstellung zu machen vermögen, und rief in den Finzelnen, die davon betroffen wurden, die verschiedenartigsten Empfindungen hervor. Es ist ferner die Zeit des Sturmes und Pranges, wo der deutsche Geist einen mächtigen Aufschwung nahm, wo in unserer Litteratur zwar noch die Vor- klassiker den gröſsten Einfluſs besalsen, aber die jungen Geister, die sie zu ihrer Klassizität zu führen berufen warén, sich doch schon in ihren ersten Werken ankündigten; der Musenhof zu Weimar fing mit Goethes Ubersiedelung dorthin im November 1775 an sich zu bilden. Jenseits des Ozeans aber entzündete sich das Feuer des Freiheitskampfes der Nordamerikaner, von dem später ein Funken nach dem alten Kontinent hinüber- sprang und den Brand der französischen Revolution entfachen half, die dann weiter über Frankreichs Grenzen hinübergriff und auch im Heiligen Römischen Reiche deutscher Nation manch altes morsches Haus in Trümmer legen sollte.
Indem wir es nun in der folgenden Darstellung unternehmen, gleichsam an der Hand des oben genannten Stammbuchs eine Reise durch das gelehrte und litterarische Deutschland der siebenziger Jahre des XVIII. Jahrhunderts zu machen, haben wir von den vielen Personen, die wir eingezeichnet finden, eine Auswahl von solchen getroffen, deren Wirksamkeit in ihrer Zeit grols genug war, dafs ihre Verdienste auch heute noch nicht vergessen sind, oder die wenigstens etwas für die Kenntnis ihrer Zeit ganz besonders Charakteristisches bieten, die also in kulturgeschichtlicher Hinsicht erwähnenswert sind. Wir haben versucht, in wenigen Worten die Stellung, die diese Personen an ihrem Orte in dieser Zeit besaſsen, kurz zu kennzeichnen.


