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nehmen Familien von einer zur andern zu gehen, um durch Gelegenheitsgedichte und Stegreifdichtungen sich den Lebensunterhalt von einem Tage zum andern zu verdienen. War es schon von Anfang an bei ihrer Unbeständigkeit und Ungeduld für ihre Berliner Freunde schwer, sie zu strengerer Kritik und zu ästhetischen Studien anzuhalten, so fielen jetzt bei solcher Art zu dichten derartige Rücksichten ganz weg; ihre Dichtungen Sanken mit der Zeit immer mehr zu oberflächlichen und unvollkommenen Reimereien herab. Nicht lange nachdem sie sich neu eingerichtet hatte, wurde nach dem bald er- folgten Tode des Barons v. Kottwitz auch ihr Sohn ihr wieder zugeschickt. Zwar wurde er durch Vermittelung und auf Kosten eines ungenannten Wohltäters noch zwei Jahre auf der Realschule in Pension gehalten; aber von nun an wollte sich für den unbe- ständigen jungen Menschen zwölf Jahre lang keine ihm zusagende Stellung finden, bis er endlich, nach der gegenwärtigen Zeit, eine Schullehrerstelle an der Garnisonschule in Ruppin erhielt. Bald nach dem Sohne kehrte auch die Tochter, Karoline Luise mit Namen, nach einem füntjährigen Aufenthalte auf der Realschule zu ihr ins Haus zurück. Nach wenigen Jahren wurde diese, kaum mannbar, im Alter von fünfzehn Jahren, ohne dals man sie weiter nach ihrer Neigung fragte, mit dem Stiefbruder der Mutter ver- heiratet, und da der junge Ehemann keine auskömmliche Stellung hatte, so übernahm die Mutter die ganze Last auch dieses Hausstandes, der nach einiger Zeit durch die Geburt eines Enkels noch vergröſsert wurde ²). Es ist begreiflich, dals unter diesen Umständen ihre Wohnung ihr zu eng wurde. Daher ihre fortwährenden Bitten an den König, ihr ein Haus zu schenken. Hatte er ihr doch bei der Audienz, die er ihr im Oktober 1763 in Sanssouci gewährte, versprochen, dals er für sie sorgen wolle, und sie mit dem Bedeuten entlassen, daſs sie sich wiedér melden sollte. Aber der König, durch dessen Ruhm sie doch zu ihren ersten veröffentlichten Dichtungen begeistert worden war und den sie nicht müde wurde, bis an sein Grab bei allen Gelegenheiten immer von neuem in ihren Gedichten zu preisen, blieb unempfindlich gegen alle ihre Bitten. Sie vermutete, daſs er durch die Verleumdungen einer falschen Freundin gegen sie einge- nommen worden wäre. Es waren ihr immer nur kleinere Geschenke zu teil geworden. Zuletzt(im J. 1773) hatte ihr der König, wahrscheinlich um sie für immer von ähnlichen Bitten abzuschrecken, nur zwei Taler durch die Post übersandt mit der Beischrift:„Zwei Thaler zum Geschenk für Deutschlands Dichterin“. Da hatte sie den Mut, auf ein Blatt zu schreiben
Zwei Thaler giebt kein groſser König;
Ein solch Geschenk vergröſsert nicht mein Glück, Nein, es erniedrigt mich ein wenig:
Drum geb' ich es zurück.
¹) Diese erzwungene Ehe mit dem rohen und beschränkten Menschen war unglücklich und wurde nach neun Jahren geschieden. Eine zweite Bhe, die die Tochter 1782 mit dem jungen Freiherrn v. Klencke schlols, war ebenso unglücklich, und das Zusammenleben der Gatten währte nicht bis zur Geburt des ersten Kindes; wie ja denn in der Familie der Karschin von ihrer Mutter her bis zu ihrer Enkelin Hel- mina v. Chézy hinab mehrfache unglückliche Heiraten das Erbteil waren. Das poetische Talent vererbte sich auf Tochter und Enkelin fort; in diesem Jahre 1776 trat die Tochter Karoline(1754— 1812) mit ſhrer ersten Pichtung, dem zweiaktigen Schauspiel„Der ehrliche Schweizer“, an die öffentlichkeit.


