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auf den Emporen, die Kirche. In Berlin vereinigten sich einige Gemeinden zu einer Immediatvorstellung an den König, in der sie unter Berufung auf seine früheren Frlasse in Bezug auf die Freiheit in Religionsangelegenheiten um Belassung des ihnen lieb- gewordenen alten Gesangbuches baten. Darauf verfügte ein königliches Reskript vom Januar 1781, daſs jede Gemeinde in Ansehung des Gesangbuches völlig freie Hand be- halten sollte; eine von dem König eigenhändig darunter geschriebene Bemerkung enthält den Satz:„was die Gesangbücher angeht, so steht einem Jeden frei zu singen: Nun ruhen alle Wälder, oder dergleichen thöricht und dummes Zeug“. Andere Gemeinden erhielten auf ihre Vorstellung dasselbe Recht, und so war das Resultat dies, dafs in einigen Gemeinden das neue Gesangbuch eingeführt, in andern das alte beibehalten wurde.
Von dem geistlichen Liederdichter kommen wir zur„deutschen Sappho“, wie der überschwengliche Gleim Anna Louise Karsch(1722— 91) im ersten Entzücken über seine Bekanntschaft mit diesem merkwürdigen poetischen Talente genannt hatte. Finem elenden Leben voll Kummer und Entbehrung, den Miſshandlungen eines trunksüchtigen Fhemannes war sie durch den Baron v. Kottwitz entrissen worden, der sie auf ihren Wunsch im Januar 1761 von Groſs-Glogau nach Berlin bringen lieſs, wo hochgestellte und hochangesehene Freunde ihr eine herzliche und achtungsvolle Aufnahme bereiteten und Obdach und Lebensunterhalt gewährten. Woblwollende Menschen hatten ihr die Sorge für ihre beiden Kinder abgenommen; der Baron v. Kottwitz liels ihren Sohn auf seinem Gute zu Boyadel erziehen, der Leibarzt Stahl gab auf seine Kosten ihre Tochter auf die Realschule in Pension. Ramler und Sulzer in Berlin sowie Gleim in Halber- stadt lielsen sich die Ausbildung ihres dichterischen Talentes angelegen sein, indem sie sie durch persönliche Unterweisung mit den Regeln der Kunst bekannt zu machen suchten, ohne die es kein wahres Kunstwerk gibt. Damit sie sich ganz der Kunst widmen könne, bemühten sich dieselben Freunde, ihr zunächst durch die Erzengnisse ihres eigenen Talentes eine sorgenlose Zukunft zu verschaffen, indem sie eine auserlesene Ausgabe ihrer Gedichte auf Subskription veranstalteten, wovon sie auf einen Gewinn von 5000 Ilrn. hofften. Diese Zeit, die glücklichste in ihrem Leben, dauerte indes nur zwei bis drei Jahre und war längst dahingeschwunden. Durch ihre eigene Unüberlegtheit war sie in den vorigen elenden Zustand zurückgesunken, aus dem sie nie wieder herauskam. Der Umstand, in Berlin ihren jüngeren Stiefpruder Hempel, nachdem sie ihn vierzehn Jahre lang nicht gesehen hatte, unvermutet wiederzufinden, brachte sie auf den Gedanken, ihre bisherige Unterkunft bei einer Freundin aufzugeben und für sich und ihren Bruder wieder einen eigenen Haustand, wenn auch noch so ärmlich— sie wohnte zunächst in einer Dachstube— zu begründen, während sie doch aus Erfahrung(ihre Fhen waren ja zum Teil auch deshalb so unglücklich gewesen) wissen muſste, dafs sie zur Führung eines Hauswesens nicht taugte. Den Erfolg jener Subskription hatte sie selbst durch ihr unbedachtsames Eingreifen vereitelt; immerhin waren 2000 Tlr. dabei heraus- gekommen, die aber die Freunde, um bei ihrer Unwirtschaftlichkeit das Geld vor Ver- schleuderung zu bewahren, fest anlegen muſsten, so dals sie davon nur die jährlichen Zinsen in Höhe von 100 Tlrn. erhielt. Ebensoviel bekam sie an jährlichen Pensionen von den Herzögen Friedrich und Ferdinand von Braunschweig und einigen auswärtigen Freunden. Da dies alles zur Bestreitung des Haushalts nicht ausreichte, sah sie sich
gezwungen, wieder wie vor ihrer Ubersiedelung nach Berlin in den befreundeten vor-
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