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Am folgenden Tage schrieb sich der Oberkonsistorialrat Diterich, Archidiakonus an der Marienkirche, mit einem Spruche aus 1. Thess. 5, 16 in das Stammbuch ein:
134 Seyd allezeit frölich. Berlin d. 10 Auguſt. Sum geneigten Andenken 1776 Joh. Sam. Diterich
1721 in Berlin geboren, war Diterich an seines Vaters Statt 1751 zweiter und 1754 erster Prediger an der Marienkirche geworden. Er war auch der„Beichtvater“ der Königin Flisabeth Christine, der Gemahlin Friedrichs des Groſsen, und starb am 14. Januar 1797, einen Tag nach dem Tode seines königlichen Beichtkindes. Er war der älteste und intimste Freund Spaldings, für dessen Berufung nach Berlin er besonders tätig gewesen war. Wie er ihm, was ihre religiösen Anschauungen betraf, geistig nahe stand, 8o auch räumlich; denn Diterichs Wohnung befand sich in Spaldings nächster Nachbarschaft: in dem zur Marienkirche gehörigen Pfarrhause, das in der Spandauerstraſse(No. 37) zwischen der Eier- und Nicolaikirchgasse lag.— Dieser den zeitgemäſsen Anschauungen der Auf- klärung huldigende Prediger hatte sich als geistlicher Liederdichter einen Namen gemacht, und noch in unsern heutigen Gesangbüchern finden sich einige seiner Lieder. Im J. 1765 hatte er zusammen mit seinen Amtsbrüdern von der Marienkirche Bruhn und Kirchhoff einen Anhang zu dem allgemein verbreiteten Porstschen Gesangbuch herausgegeben. Dieser Anhang enthielt mehr als 200 Lieder: teils neue, die moderne Dichter, wie Cramer, Klopstock, dann auch Diterich selbst zu Verfassern hatten; teils alte, mit denen aber, um den Forderungen des herrschenden Rationalismus zu genügen, oft eine völlige Um- gestaltung vorgenommen worden war. Dieses Vorgehen fand den Beifall der Gelehrten und Gebildeten und gab den Anstoſs zu einer tiefgehenden und andauernden Bewegung auf dem Gebiete der Verbesserung des Kirchenliedes, die zu einer wahren Gesangbuch- revolution führte. Aller Orten entstanden in Deutschland in den folgenden Jahren Ge- sangbücher nach dem Berliner Vorbilde; dazu gehörte unter vielen andern das von Zolli- kofer in Leipzig besorgte, von dem schon im ersten Teil unserer Arbeit die Rede gewesen ist, und das von dem Superintendenten Stockhausen in Hanau herausgegebene, dem wir noch begegnen werden. Diterich selbst schritt auf dem von ihm betretenen Wege fort und gab, von Spalding und Teller unterstützt, 1780 ein neues vollständiges Gesangbuch heraus, das nach dem Verleger das Mylius'sche genannt wird. Ein königlicher Erlals vom Oktober desselben Jahres an sämtliche Geistliche der Kur- und Neumark empfahl seine allgemeine EFinführung in den Gemeinden. Aber alsbald erhob sich gegen dieses moderne Gesangbuch ein Sturm, da man die gewaltsamen Veränderungen der alten Lieder keineswegs als Verbesserungen, sondern als Verwässerungen empfand. Sowohl einzelne Literatoren eiferten dagegen, als auch sträubten sich die Gemeinden gegen die Fin- führung. Es kam sogar zu allerlei Fxzessen. An einigen Orten sang man nach der angeschriebenen Nummer das Lied nach dem alten Gesangbuche und fuhr darin, auch als der Prediger schon die Kanzel bestiegen hatte, mit besonders kräftiger Stimme fort, 8o dals er am Reden gehindert wurde. Anderwärts hörte man nur die Predigt an und verliels sofort, wenn der Gesang beginnen sollte, unter grolsem Geräusche, namentlich


