Naturalienkabinett und eine Sammlung physikalischer Instrumente und Maschinen. Er ist vermutlich der Schn des Professors Theodor Sproegel(1699— 1759 oder 1760), der seiner Zeit ebenfalls Mitglied des Collegium Medico-Chirurgicum war und von 1737 an der Berliner Akademie angehörte.— Jenes Collegium Med.-Chir. bildet den Ausgang der heutigen„Pepinière“ oder, wie der amtliche Name seit 1895 lautet, der„Kaiser Wil- helms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen“. Im Jahre 1713 war auf eine Anregung der königlichen Societät der Wissenschaften in Berlin in einem ihr gehörigen Gebäude an der Ecke der„Letzten“(= Dorotheen-) Straſse neben dem Observatorium ein Theatrum anatomicum angelegt worden zu dem Zwecke, dals dort Demonstrationen und anatomische Untersuchungen„in exercitus populique salutem, civium hospitumque commodum“ abgehalten würden. Dieses Institut wurde 1724 zu dem Collegium medico- chirurgicum erweitert vornehmlich in der Absicht, geschickte Wundärzte für die Armee heranzubilden. Es war dies die erste derartige Anstalt in Deutschland, wo auf Staats- kosten und im Inlande junge Leute zu Militärchirurgen ausgebildet wurden. In den Heeren jener Zeit bestand das Sanitätspersonal aus„Feldscherern“, die, meist Leute niederen Standes und mit sehr mangelhaften Schulkenntnissen, aus den Barbierstuben hervorgingen. Nach Errichtung jenes Collegiums wurde aus den Kompagniefeldscherern eine gewisse Zahl, anfangs acht, später mehr, ausgewählt und ihm zugewiesen. Erfordert wurde, dals die jungen Leute Landeskinder waren, Fähigkeiten und Kenntnis der latei- nischen Sprache besalsen. Ihre Kompetenzen betrugen 100 Rtlr. jährlich; wogegen sie verpflichtet waren, allen Vorlesungen des Collegium med.-chir. ohne Unterschied beizu wohnen. Sie erhielten in der Folgezeit den Namen„Pensionärs«. Sie pildeten aber immer nur den kleineren Teil der Zuhörerschaft; auch anderen war der Zutritt zu den Vorlesungen verstattet. Ja i. J. 1725 erschien ein Medizinaledikt, wonach ohne Ausnahme ein jeder, der in Preufsen als Arzt praktizieren wollte, auch wenn er schon anderwärts als Doktor promoviert hatte, noch den sogenannten Cursus anatomicus et chirurgicus bei jenem Kollegium absolvieren— daher noch heute der Staatsexaminand„Kursist“ ge- nannt wird— und sich von ihm eine Bescheinigung und Beurteilung ausstellen lassen muſste, um die Erlaubnis zur Ausübung der ärztlichen Praxis zu erlangen. Die sieben Lehrstühle wurden von Anfang an mit hervorragenden Autoritäten besetzt. Vermöge ihrer vortrefflichen Einrichtungen bildete diese Anstalt eine kleine medizinische Fakultät, und schnell gelangte sie zu Ansehen und Blüte, so dals nicht bloſs Einheimische, sondern auch Fremde in groſser Zahl herbeigezogen wurden. Für jene„Pensionärs“ aber, die nach einer Kabinettsordre vom J. 1790 bei ihrem Eintritt in den Regimentsdienst nicht mehr Feldscherer, sondern Chirurgen hieſsen, wurde 1795 die Pepinière errichtet mit der erweiterten Aufgabe, nicht, wie bisher, blols in der Chirurgie, sondern in den gesamten medizinischen Disziplinen unterwiesen zu werden. Sie sollten die bis dahin versagte Berechtigung erhalten, auſser im Militär-, auch im Zivilverhältnis Praktisch tätig zu sein. Als 1810 die Berliner Universität gegründet wurde, bildete das Collegium med.-chir. mit seinen vortrefflichen Einrichtungen eine bequeme Grundlage für die Schaffung einer vollständigen medizinischen Fakultät.— Uber die in der Einschrift am Schluſs ge- nannte Berlinische Gesellschaft naturforschender Freunde ist in den Vorbemerkungen gehandelt worden.
Kaiserin Augusta-Gymn, 1904.


