Teil eines Werkes 
2. Teil (1904)
Entstehung
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230 Togau, Singed. L. 60.

Wer viel Zimter will genießen, Muß in ſich viel Gaben wiſſen; Gder muß auf Portheil gehen; Gder muß ſie nicht verſtehen.

Karl Wilh. Ramler Berlin, den 6. Auguſt, 1776.

Ramler schrieb sich auf der Rückseite des Blattes ein, auf dem sich ein Jahr zuvor J. J. Engel in Leipzig eingetragen hatte. Engel, der inzwischen nach Berlin gekommen war, nahm hier als Professor der Moralphilosophie und der schönen Wissenschaften am Joachimsthalschen Gymnasium ¹) die gleiche amtliche Stellung wie Ramler am Kadetten- korps ein. Auch war er sogleich in den Montagsklub eingetreten und scheint überhaupt in enger Freundschaft zu Ramler gestanden zu haben. Als Ramler sich unmittelbar hinter Engel in das Stammbuch einschrieb, ahnte er gewils nicht, dals er alle Ehren, die ihm noch im späteren Leben erteilt wurden, in Gemeinschaft mit Engel erhalten sollte. So ward beiden zugleich die Auszeichnung zu Teil, in der ersten Sitzung, die die Akademie nach Friedrichs des Grolsen Tode abhielt, am 14. September 1786 zu ihren Mitgliedern erwählt zu werden. Im folgenden Jahre wurden beide zu Direktoren des Königlichen Nationaltheaters ernannt; ihre gemeinschaftliche Leitung desselben währte bis zum Jahre 1793, wo zuerst Engel aus Gesundheitsrücksichten ausschied, während Ramler noch bis 1796 das Amt weiter führte.

Einem anderen intimen Freunde Nicolais und Mendelsschns begegnen wir in dem nächsten Inscribenten Joh. Aug. Eberhard, Prediger in Charlottenburg. Er hatte 1763 seine Imter als Konrektor an der Martinischule und Prediger an der Hospitalkirche zum Heiligen Geist in seiner Vaterstadt Halberstadt aufgegeben und war dem späteren Staats- minister Freiherrn von der Horst, bisherigen Kriegs- und Domänenrat an der Halber- städtischen Kammer, als Lehrer seiner Söhne nach Berlin gefolgt, als derselbe als Präsident der Kurmärkischen Kammer dorthin ging. Sehr bald mit Nicolai und durch ihn mit Mendelsschn bekannt, trat er in ein enges Freundschaftsverhältnis zu ihnen und wurde zu ihren wöchentlichen Zusammenkünften hinzugezogen, die sie zum Zwecke philo- sophischen Gedankenaustausches und geistiger Unterhaltung abhielten. Von dem Wunsche beseelt, wegen der Gelegenheit zu Geistesbildung und zu geselligem Verkehr für immer in Berlin zu bleiben, nahm er i. J. 1768 die Stelle eines Predigers am Arbeitshause ²) an, mit der wegen ihrer kärglichen Einkünfte die Predigerstelle in Stralau verbunden war. Jene Stelle nämlich trug ihm bei freier nicht sehr geräumiger Wohnung, freiem

¹) Dieses Gymnasium lag damals noch inmitten Berlins: in der Burgstraſse gegenüber dem Dome; die Gebäude erstreckten sich bis zur Heiligen Geist Stralse hindurch. ²) Dieses Gebäude stand am Alexanderplat? an der Stelle, auf der jetzt das Königliche

Poliseipräsidium errichtet ist.