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Am folgenden Tage schrieb sich Karl Wilhelm Ramler(1725— 98) in Soer- 230 mans Stammbuch ein. Seit 1748 befand sich Ramler in Berlin in fester Anstellung als Maitre, später Professor der schönen Wissenschaften am„Adlichen Kadettenkorps“, er bekleidete dieses Amt 42 Jahre lang. Er wohnte in der Neuen Friedrichstralse, in der auch der König 1775 angefangen hatte, das Gebäude aufführen zu lassen. das das Kadettenkorps bis zu seiner Ubersiedelung nach Groſs-Lichterfelde innegehabt hat. An seiner Stelle befindet sich jetzt das Königliche Amtsgericht.— Ramler stand in nahen Beziehungen zu dem Freundschaftsbunde, den einst i. J. 1754 Lessing, Mendels- sohn und Nicolai geschlossen hatten. Gemeinsam mit Lessing hat er 1759 Logau's Sinn- gedichte herausgegeben; ihm übertrug Lessing auch noch seine späteren Dichtungen(bis auf den„Nathan“ 1779) zur kritischen Durchsicht und zur Verbesserung, namentlich in metrischer Hinsicht. Mendelsschn widmete ihm seine Psalmenübersetzung 1783. In jenem Jahre 1748 hatte Ramler sich durch die„Ode an den Apollo“ bei der Eröffnung des neugebauten Opernhauses am Opernplatz zum ersten Mal dem Publikum als Dichter und zwar in derjenigen Dichtungsgattung bekannt gemacht, durch deren besondere Pflege ihm von seinen Zeitgenossen der Name„der deutsche Horaz“ zuerkannt worden ist. Den Höhepunkt seines Ruhmes als Odendichter hatte er in der Zeit des siebenjährigen Krieges erreicht, und mit der Herausgabe seiner Dichtungen in den„Lyrischen Ge- dichten, 1772“ hatte er die Periode eigenen dichterischen Schaffens im wesentlichen ab- geschlossen. Von nun an trat in dem letzten Drittel seines Lebens bei Ramler, der Dichter und Kritiker zugleich war, die andere Richtung seines Geistes in den Vorder- grund, indem er als Herausgeber von Anthologien sein kritisches Talent an den Werken anderer übte, wie bekannt, oft mit groſser Willkür und keineswegs immer zum Vorteil der Dichtungen. Den Anfang darin hatte er bereits 1774 mit der„Lyrischen Blumen- lese“ gemacht.— Zwar nicht in eben jenem Jahre 1748, wie die Mitglieder wähnten, sondern erst im folgenden war der„Montagsklub“ begründet worden. Von den Mit⸗ gliedern, die ihn stifteten, war in dieser Zeit Ramler allein noch übrig und zwar be- kleidete er jetzt das Ehrenamt des Seniors. Dieser Klub, der der Wissenschaft und dem Frohsinn geweiht war, nahm mit seinen ca. 25 Mitgliedern seiner Zeit in Berlin eine bedeutsame Stellung ein. Er vereinigte in sich die besten Geister aus allen Ständen und Berufsarten; die angesehensten Gelehrte und Künstler gehörten ihm an. Lessing und Nicolai, von denen jener ihm 1752—61 und dieser seit 1756 bis an seinen Tod (1811) angehörte, hatten ihm sein ganzes Gefüge, sein wissenschaftliches und geselliges Gepräge gegeben. Alle literarischen Neuigkeiten erregten seine Aufmerksamkeit und fanden eine ernsthafte und gründliche Besprechung. In der irrtümlichen Annahme, daſs der Klub i. J. 1748 gestiftet worden sei, waren seine Mitglieder im April 1798 im Be- griff das fünfzigjährige Jubiläum seines Bestehens durch eine besondere Feier zu begehen, als Ramler fünf Tage vor dem Feste am 11. April starb.— Zu seiner Finschrift benutzte er ein Epigramm aus Logau's Sinngedichten und zwar nach der von ihm und Lessing 1759 besorgten Ausgabe; in der Breslauer Originalausgabe vom Jahre 1654„Salomons von Golaw Peutscher Sinn-Getichte Drey Tausend“ findet sich dieses Epigramm in„des Ersten Tausend Sechstem Hundert“(= I. Band, Seite 130) unter No. 60 mit der Uber- schrift„Ein Phrgeitziger“.


