Teil eines Werkes 
2. Teil (1904)
Entstehung
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und tiefsinnige Denker, dessen rastlos arbeitender Geist stets in den höchsten und fernsten Regionen weilte und mit den schwersten Problemen beschäftigt war, besals bei aller Kenntnis seines eigenen Wertes doch ein kindlich einfaches und harmloses Gemüt. So lautet auch seine EFinschrift schlicht und einfach:

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Bleib Dir im Glück und Unglück gleich,

Richt ſtolz wenn jenes lacht, nicht feig wenn dieſes drücket. Berlin Memoriae ergo adposuit 1. Aug. 1776. J. H. Lambert.

Er starb schon am 25. September des nächsten Jahres, kaum 49 Jahre alt, infolge geistiger Uberanstrengung. Sein Landsmann Joh. Bernoulli gab seinenDeutschen ge- lehrten Briefwechsel heraus, der fünf Bände umfalst. Seine Wohnung befand sich hinter dem neuen Packhof an der Chaussee. Der Neue Packhof lag an der Stelle, wo jetzt die National-Galerie sich erhebt; dieChaussee führte von der Friedrichsbrücke, damals Pomeranzenbrücke genannt, auf dem linken Ufer der Spree entlang nach der Weidendammer Brücke. Lambert's Wohnhaus stand also etwa an der Stelle des Perga- mon- oder des Kaiser-Friedrichs-Museums.

Am Montag, den 5. August, zeichnete sich Moses Mendelssohn in Soermans' Stammbuch ein. Mendelssohn(1729 86), dessen Geburtsstadt Dessau Soermans ein Jahr vorher besucht hatte, lebte hier in Berlin, in das er als ein dreizehnjähriger mittel- loser Knabe eingewandert war, als Mitinhaber und Leiter der Bernhard'schen Seiden- fabrik, in die er vor zwanzig Jahren als Buchhalter und Korrespondent eingetreten war. Seit Oktober 1763 besals er das Privilegium eines preuſsischenSchutzjuden(das ihm der Marquis d'Argens persönlich beim Könige Friedrich II. erwirkt hatte), aber nur für sich und seine Frau Fromet Gugenheim aus Hamburg; für seine Kinder erhielt er es selbst auf ein i. J. 1779 eingereichtes Gesuch noch nicht. Zwar schätzte ihn der König als Schriftsteller hoch; hatte er ihm doch mit Rücksicht auf seine wissenschaftlichen Ver- dienste die von der Chargenkasse für die Erteilung eines solchen Privilegs verordnungsmäſsig verlangten 1000 Rtlr. i. J. 1764 erlassen. Man erinnere sich, dals bei der Bewerbung um den von der Berliner Akademie für das Jahr 1763 ausgesetzten Preis, an der sich auch Kant peteiligte, Mendelssohn für seineAbhandlung über die Evidenz der meta- physischen Wissenschaften den Preis zuerkannt erhielt. Erst nach Mendelsschns Tode wurde vom Nachfolger Friedrichs des Grolsen seinen Kindern jenes Privilegium erteilt (1787). Mendelsschns Wohnhaus befand sich»in der Spandauer Stralse unweit des goldenen Sterns; es hat aber dem Durchbruch der Kaiser Wilhelm-Straſse weichen müssen. Soermans' Besuch fällt in die für Mendelssohn unglücklichste, weil in wissen- schaftlicher und schriftstellerischer Hinsicht unfruchtbarste Zeit seines Lebens. Er litt noch in körperlicher wie selischer Beziehung unter den Nachwirkungen des Lavaterschen Bekehrungsversuches. Das Erscheinen seinesPhädon i. J. 1767 hatte ihn auf die Röhe seines Ruhms erhoben und ihm einen europäischen Ruf verschafft. In rascher Folge erschienen sowohl die eigenen Ausgaben als auch die Ubersetzungen in fremde Sprachen.