Teil eines Werkes 
2. Teil (1904)
Entstehung
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Beide Männer hatte das Schicksal zweimal einander nahe gebracht; das erste Mal, als Büsching im Herbst 1752 seinen Zögling, einen jungen Grafen v. Lynar, auf die Ritter- akademie in Soröe begleitete und dann bis 1754 seinen Aufenthalt in Kopenhagen nahm, und Basedow i. J. 1753 eine Professur an jener Anstalt erhielt; das zweite Mal, als Büsching nach seiner Rückkehr von seinem zweiten Aufenthalt in St. Petersburg bis zu seiner Berufung nach Berlin 1 ½ Jahr von Juli 1765 bis Oktober 1766 in Altona zubrachte, wohin Basedow schon 1761 von Soröe gegangen war. Indessen sind sie nicht in per- sönliche Berührung gekommen.

Mit Büsching war eng befreundet der Oberkonsistorialrat und Propst zu Berlin, Spalding(1714 1804), den Soermans am nächsten Tage besuchte. Spalding hatte für Büschings Berufung gewirkt, als er i. J. 1765 im Auftrage des Staats- und Justizministers Ernst Fridemann v. Münchhausen zusammen mit dem Oberkonsistorial-Präsidenten v. Keffen- brink und dem Bürgermeister Diterich eine Untersuchung des Zustandes der Berliner Gymnasien vorzunehmen und Vorschläge zu ihrer Verbesserung zu machen hatte. Er war geistlicher Ephorus des Gymnasiums zum Grauen Kloster und hielt auch bei der 200 jährigen Stiftungsfeier des Gymnasiums die Festpredigt in der Klosterkirche. Spalding war nach Berlin gekommen im Jahre 1764 von Barth in Schwedisch- Vorpommern, wo er zur Zeit des siebenjährigen Krieges Prediger und Präpositus war, und wo sich Lavater mit zwei andern jungen Freunden, als sie aus politischen Gründen ihre schweizerische Heimat meiden mufsten, fast ein Jahr lang bei ihm aufgehalten hatte; für sie alle endete mit Spaldings Berufung nach Berlin auch ihr dortiger Aufenthalt. Und zwar war Spaldiogs Berufung auf Betrieb des später aufzuführenden Predigers Diterich

an der Marienkirche denn auch diese Kirche gehörte zum Amtskreise des Propstes zu Berlin eines Mannes von gleicher Geistesrichtung, erfolgt. Als einen Anhänger der

Aufklärung hatte sich Spalding namentlich in seinem vielgerühmten BucheGedanken über den Wert der Gefühle in dem Christentum, 1761, bewiesen. Diesen Standpunkt behauptete er mit groſser Festigkeit bis an sein Lebensende, so dafs er, als beim Er- scheinen des Wöllnerschen RBeligionsediktes er« zusammen mit den anderen Räten des Oberkonsistoriums eine Vorstellung dagegen erhob, aber nicht durchdringen konnte, noch in demselben Jahre sein Amt niederlegte. Vor kurzem, i. J. 1772, war seine Schrift Uber die Nutzbarkeit des Predigtamts und deren Beförderung erschienen, die Herders bittere GegenschriftAn Prediger, funfzehn Provinzialblätter, 1774 hervorrief. Die Ent- fremdung, die infolge davon zwischen beiden Männern eintrat, glich sich später wieder aus. EFinen weitreichenden Finfluſs übte Spalding durch seine geistlichen Reden, 8so dafs er derErbauer seiner Zeitgenossen genannt wurde, wie ja auch Goethe während seines kurzen Aufenthalts in Berlin es nicht unterliels, eine Predigt Spaldings anzuhören. Jetzt seit einem Jahre lebte Spalding in dritter Ehe verheiratet mit der sechsundzwanzigjährigen Tochter des seiner Zeit berühmten und bei den Fachgelehrten durch die Glandulae Lieberkuehnianae noch heute wohl bekannten Berliner Arztes Joh. Nathanal Lieberkühn (1711 56), mit der er sich in seinem 60. Lebensjahre verbunden hatte und die ihn nur um wenige Monate überleben sollte. Seine Wohnung befand sich in der Propstei gegenüber der Nicolaikirche. Er hat sich in Soermans' Stammbuch unmittelbar hinter Semler, dem Haupte des Rationalismus und dem persönlichen Freunde Spaldings sowie der andern Berliner Aufklärungstheologen, auf der Rückseite des Blattes, auf dem jener sich im Jahre zuvor in Halle eingeschrieben hatte, mit einem Spruche aus Hiob 28, 28 eingetragen: