Berlin, Donnerstag, 18. Juli— Montag, 2. September 1776. Charlottenburg, Mittwoch, 14. August.— Potsdam, Mittwoch, 28. August.
Berlin war mit seinen 130 000 Einwohnern die zweite Stadt Deutschlands, doch in Rücksicht auf Wissenschaften und Künste die erste. Dazu gaben ihr als Residenz Friedrichs des Groſsen dessen Ruhm und Siege im siebenjährigen Kriege einen groſs- artigen politischen Hintergrund. Fs war der Hauptsitz der Aufklärung und blieb es auch ferner; selbst das Erscheinen des Wöllnerschen Religionsediktes im Juli 1788 unter dem Nachfolger Friedrichs hat an der Sache nichts geändert. Das geistige Leben der ge- bildeten Kreise bewegte sich auf einem hohen Niveau. Ein reger Austausch der Gedanken fand in den geselligen Zirkeln statt, die allein durch das lebendige Interesse ihrer Mit- glieder an Literatur und Wissenschaft, ohne die Protektion eines Augustus oder Mäcenas, zusammengehalten wurden. Gewils würde auch Goethe, als er 1778 einige Tage im Monat Mai in Berlin verweilte, einen vorteilhafteren Eindruck von Berlin erhalten haben, wenn er in diese Kreise hineingekommen wäre und sich die Stadt nicht blols von der äufseren Seite angeschen hätte. Berlin besafs in allen Zweigen der Wissenschaft hervorragende Gelehrte; es besals ausgezeichnete staatliche und private Institute, Kunst- und wissen- schaftliche Sammlungen, reichhaltige Bibliotheken, so dafs alle Elemente zur Zildung einer Universität vorhanden waren. In Berlin eine Universität zu gründen, daran hatte schon hundert Jahre früher(1667) der Grolse Kurfürst gedacht; Geld war schon be- willigt, der Stiftungsbrief bereits in lateinischer Sprache abgefalst und vom Kurfürsten
eigenhändig unterschrieben, selbst ihr Name schon festgesetzt— sie sollte heiſsen: Universitas Brandenburgica Gentium, scientiarum et artium— indessen hatte sich das
Projekt später wieder aus Mangel an den erforderlichen Geldmitteln zerschlagen. Auch jetzt währte es noch ein volles Menschenalter, ehe eine Universität ins Leben trat, die dann aber auch in kurzer Zeit alle andern überflügeln sollte. Berlin besaſs ferner die besten Kanzelredner, die nicht einer einseitigen Richtung folgten, sondern mit voller Freiheit sich das Beste aus den herrschenden Systemen aneigneten. Es besals endlich die besten Schriftsteller, die zu dem hohen Aufschwunge des deutschen Geistes in dieser Periode wesentlich beitrugen. Finige der berühmtesten Namen finden wir in Soermans' Stammbuch.
Unter allen gelehrten Instituten nahm die Académie Royale des Sciences et Belles Lettres den höchsten Rang ein. Der König war seit dem Ende des siebenjährigen Krieges gleichsam selbst ihr Präsident; er selbst ernaunte bis an seinen Tod allein die Mitglieder, die ordentlichen wie die auswärtigen. Dieser Umstand verlieh ihren Diplomen einen höheren Wert und gab ihrem Urteil ein gröfseres Ansehen. Die Mitglieder muſsten, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können, in Berlin oder in der Nähe wohnen; denn wöchentlich fanden Sitzungen statt und muſsten Vorträge gehalten werden. Von Inskribenten des Stammbuches gehörten als ordentliche Mitglieder dieser Akademie an: der Oberhofprediger Sack, der Astronom Joh. Bernoulli, der Philosoph Lambert, der Kgl. Bibliothekar Pernety und der Hofprediger Cochius in Potsdam. Nach dem Tode Fried- richs des Grolsen wurden, noch in seinem Todesjahre selbst, in die Akademie als ordent- liche Mitglieder aufgenommen: die beiden Schriftsteller Ramler und Engel, die Ober- konsistorialräte Teller und Silberschlag, von denen der letzte schon 1760 zum auswärtigen Mitglied ernannt worden war. Von anderen auswärtigen Mitgliedern dieser Zeit(1776)


