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Die Verdienste Schillers um die Ästhetik
Entstehung
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in der Wissenschaft, wie im sittlichen Leben eifert, und in dem Seitenstück dazuüber den moralischen Nutzen ästhetischer Sitten.

Noch sichtlicher tritt Schiller's Kalokagathie hervor in einer Abhandlungüber das Erhabene aus dem Jahre 1793, die freilich nachmals in der Gesammtausgabe seiner Schriften bis auf den zweiten Teilüber das Pathetische verkürzt und auch nicht mit seiner späteren Abhandlung über das Erhabene zu verwechseln ist.

In jener ersten Arbeit, worin er einige Kantsche Ideen weiter ausführen will, unter- scheidet er namentlich das Kontemplativ-Erhabene wie es von der Phantasie erzeugt oder staunend angeschaut wird von dem Pathetisch-Erhabenen das dem Menschen als furchtbare und verderbliche Macht wirklich gegenübersteht und unser tragisches Mitleid erweckt, und belegt seine Muffassung mit treffenden Beispielen. Ohne seiner weiteren Darstellung des Erhabenen hier im Einzelnen nachgehen zu können, müssen wir nur noch sagen: immer wieder konzentriert sich Schiller in seiner Lieplingsidee, dass der Mensch durch freiwillige Unterwerfung unter das Schicksal die Notwendigkeit gewissermassen in einen Akt der Freiheit verwandle.

Dieser Gedanke geht auch durch das Bruchstücküber das Pathetische. Die tragische Kunst, sagt Schiller, soll nicht bloss das Leiden, sondern zugleich den sittlichen Widerstand des Leidenden zur Parstellung bringen. Erst dadurch wird das Pathos erhaben. Das Pathetisch-Erhabene ist der eigentliche Gegenstand der tragischen Kunst, und ihre beiden Grundsätze sind: Parstellung der leidenden Natur und Parstellung des sittlichen Widerstandes gegen das Leiden. Nicht das Trauerspiel 0 Franzosen, worin wir selten oder nie die leidende Natur zu Gesicht bekommen, wohl aber die Griechen, die, ohne sich der Natur zu schämen, der Sinnlichkeit ihr Recht liessen, sicher, nicht von ihr unter- jocht zu werden, haben das erste Gesetz der tragischen Kunst in vollem Umfange zur Geltung gebracht. Dagegen kommt die übersinnliche Kraft im Menschen dadurch zur Dar- stellung, dass alle bloss der Natur gehorchenden Teile die Gewalt des Leidens verraten, die- jenigen Teile aber, welche der blinden Gewalt des Instinktes entzogen sind und dem Natur- gesetz nicht notwendig gehorchen, keine oder nur geringe Spuren des Leidens offenbaren. Um dies klarzustellen, nimmt Schiller Bezug auf die Schilderung der Laokongruppe bei Winkelmann und beruft sich auf die Parstellung der Scene bei Vergil.

Zwei Dinge sind es immer, die Schiller vereint wissen will, Anmut und Würde, oder wie er es nachdem bezeichnete, das Schöne und Erhabene, um sowohl die ästhetische Er- zichung, als auch um ein Kunstwerk zu vollenden. Durch die Asthetik soll die Menschheit nach Schillers Absicht, auch sittlich erzogen werden.

Wir kommen damit zu einem anderen Werke Schillers, zu den Briefen über die asthetische Erziehung des Menschen, worin Männer wie Hoffmeister und Zimmer- mann das Hauptverdienst Schillers um die Asthetik setzen.

Von vornherein müssen wir freilich sagen, dass diese Briefe von allem andern eher handeln, als von der Erziehung des Menschen, ob auch Schiller(Brief 23) sagt:Es giebt keinen andern Weg, den sinnlichen Menschen vernünftig zu machen, als dass man denselben Zuvor ästhetisch macht. Von religiöser Erziehung, von christlicher namentlich, ist bei