aus Dir selbst; sowie das in der theoretischen Philosophie: Die Natur steht unter dem Ver- standesgesetze. Diese grosse Idee der Selbstbestimmung strahlt uns aus gewissen Erschei- nungen der Natur zurück, und diese nennen wir Schönheit.“— Aber als wäre er von dieser Pefinition selbst noch nicht befriedigt, stellte er noch eine und die andere auf. So bezeichnet er Schönheit als innere Notwendigkeit der Form, als Natur der Kunstmässigkeit, als Freiheit in der Regel und als Regel in der Freiheit u. 8. w.
Anknüpfend an den Ausspruch Kants:„Natur ist schön“, wenn sie aussieht wie Kunst; Kunst ist schön, wenn sie aussieht wie Natur“, fordert Schiller, dass die Darstellung frei sein müsse, ohne unter dem Stoffe oder unter der Natur des Künstlers zu leiden. Reine Objektivität der Parstellung sei das Wesen des guten Stils, der höchste Grundsatz der Künste. — Aper dem Künstler müsse sein Objekt„schon idealisiert, d. i. in reine Form verwandelt“ vor seiner Seele stehen, und es komme nur darauf an, es ausser sich darzustellen, ohne dass „die reine Form“ durch den Künstler oder durch das Medium der DParstellung„Heteronomie“ erleide.— Dem Dichter tritt hier sein Stoff, in dem er zu arbeiten hat, das Wort und der Wortlaut als ungünstig entgegen. Aber auch hier soll die Form über den Stoff siegen. „Schönheit der poetischen Parstellung, schliesst Schiller, ist freie Selbsthandlung der Natur in den Fesseln der Sprache“. Also auch da yin Ketten frei.“— Freiheit im sittlichen Leben und Freiheit in der sinnlichen Form— das sind bei Schiller analoge Begriffe, die fast immer Hand in Hand gehen.—
Pas tritt uns noch mehr entgegen in seiner als klassisch geltenden Abhandlung über „Anmuth und Würde“, die Schiller„fleissig genug für einen Kranken“ in etwa 6 Wochen im Juni 1793 für seine„Neue Thalia“ schrieb.—
Der erste Teil derselben—„über Anmuth“— geht von dem Mythus der Venus als einem Bilde der schönen Menschengestalt aus und handelt zunächst von der äusseren menschlichen Gestalt als einem Werke der Natur.— Die„architektonische Schönheite,
die Schönheit des Baues, ist diejenige, welche„von der blossen Natur nach dem Gesetze der Notwendigkeit gebildet ist, zum Unterschiede von der, welche sich nach Freiheitsbedingungen richtet«. Soll die natürliche Gestalt des Menschen als schön erscheinen, 8o muss an ihr neben der Technik des natürlichen Baues noch ein anderes Merkmal sich finden. Pie Ver- nunft muss ihr„eine ihrer Ideen leihen“, und das ist,— wie wir aus den Briefen an Körner wissen, die Idee der Freiheit.—
„Die Schönheit ist als Bürgerin zweier Welten anzusehen, deren einer sie durch Geburt, deren anderer sie durch Adoption angehört; sie empfängt ihre Existenz in der sinn- lichen Natur und erlangt in der Vernunftwelt das Bürgerrecht.“—
Das Produkt menschlicher Schönheit leitet Schiller aus der Uebereinstimmung der Natur als Bildnerin mit der Vernunft als Vorbildnerin ab.
Weil aber der Mensch nicht bloss Naturwesen, sondern zugleich freie Persönlichkeit ist, so hängt die Art seines Erscheinens auch von der Art seines Empfindens und Wollens, also von Zuständen ab, die er selbst in seiner Freiheit, und nicht die Natur nach ihrer Notwendigkeit bestimmt.


