ihr, wenn auch nicht als ihren letzten und eigentlichen Zweck,— Beförderung der Sittlich- keit, der Aufklärung und der Nationalität zu. Ja, er versteigt sich bis zu dem Ausspruche: „Wenn wir es erlebten, eine Nationalbühne zu haben, so würden wir auch eine Nation.“—
Wenn endlich Schiller in der Rede über die Schaubühne die Blüte der dramatischen Kunst im Perikleischen Zeitalter und die Hellenen noch jetzt als Muster der Pichtung preist, — wenn er in einem anderen Aufsatze derselben Zeit, in dem„Antikensaal zu Mannheim“ sich von dem„allmächtigen Wehen des griechischen Genius“ ergriffen fühlt und überströmt von Be- wunderung für die griechische Kunst, So reiht er sich darin jenen Männern an, die uns zuerst für Ausbildung des Schönheitssinnes zu den alten Griechen in die Schule gewiesen haben, einem Winkelmann und Lessing, und darf auch dieser sein Fingerzeig in jener Zeit wohl als ein Verdienst Schillers um die Asthetikh ervorgehoben werden.— Er hat seiner Begeisterung für das Hellenentum noch nachhaltiger Ausdruck gegeben in den„Göttern Griechenlands“, einem Gedichte, zu dem er sich im März 1788 aus der prosaischen Religionsanschauung seiner Zeit erhob, ohne damit dem Monotheismus den Krieg zu erklären. Die Schönheit hellenischen Lebens und hellenischer Weltanschauung war es, in welcher er fortan den idealen Zustand menschlicher Verhältnisse ansah. Hatte er früher von Rousseau den ur- sprünglichen Naturzustand als das Ideal einer vollkommenen und glücklichen Menschheit sich angeeignet, so trat nun an dessen Stelle das Ideal des Hellenentums, wie er es dichterisch
ausmalte und pflegte.— Nunmehr sehen wir ihn mit Begeisterung in die Lektüre der Griechen, namentlich Homers und der Tragiker, versenkt. Fin vertrauter Umgang mit den Alten,— hoffte er,— werde ihm„vielleicht Klassizität geben.“—
Aus der Zeit von 1788 auf 89 haben wir noch zwei ästhetische Abhandlungen Schillers, seine„Kritik von Göthes Egmont“ und seine„Briefe über den Don Carlos, den er damals vollendet hatte, und ein Lehrgedicht zu erwähnen. Aus jener Kritik, deren Tadel zum grossen Teil unwiderleglich sein möchte, sei nur hervorgehoben, wie Schiller hier im Sinne von Lessing's Dramaturgie die tragische Rührung durch die Erregung von Furcht und Mitleid begründet sicht.— In den Briefen über Don Carlos sucht er die Einheit des Stückes nach der zu Grunde liegenden Idee im einzelnen zu rechtfertigen und verschweigt auch den Missklang nicht, welchen die Spuren des ursprünglichen Planes in die schliessliche Bearbeitung des Werkes gebracht haben.— Das Lehrgedicht aber aus jener Zeit(Februar 1789) sind die „Künstler“, eine tiefsinnige Dichtung, worin, wie schon erwähnt, die Kunst als Erzieherin des Menschengeschlechts dargestellt wird. Während die„Götter Griechenlands“ noch rückwärts schauen, eine polemische Ideenricht ungabschliessend, haben„Die Künstler“ das Gesicht vorwärts gewandt, indem sie die Keime beinahe aller Grundansichten über das Schöne und die Kunst enthalten, welche Schiller später in seinen ästhetischen Abhandlungen auseinandersetzt.
Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, wie anregend Schiller schon durch diese ersten asthetischen Grundlagen auf Mit- und Nachwelt gewirkt hat, obwohl er selbst sie nur als Baurisse ansah. Einzelne derselben erregten bei ihrem ersten Erscheinen ungeheures Aufschen und rieten einen lebhaften Kampf für und wider hervor. Neben jenen grossen Kunstkennern und Dichtern, einem Lessing und Göthe, stand nun Schiller schon als ebenbürtig da:


