ersten Studium der Kantischen Kritik der Urteilskraft begriffen, suchte Schiller schon die Gedanken seines philosophischen Meisters selbständig zu erfassen und der strengen Schulform entkleidet sie einem weiteren Leserkreise in seinen Zeitschriften zugänglich zu machen.—
Und doch war es ein Glück, dass, wie Göthe später sich ausdrückt, Schillers dich- terischer Genius über die Fesseln der Schule den Sieg davontrug und sich über die lange getriebene Theorie hinaus wieder zur Poesie, zu seinen herrlichsten Dichtungen aufschwang. — Schiller selbst hat bei neu gewonnener dichterischer Begeisterung die Zeit seiner früheren philosophiechen Bemühungen gewissermassen als verloren betrachtet, und nur leidigen Trost darin gefunden, dass seine Natur sich des metaphysischen Krankheitsstoffes nun einmal habe entledigen müssen.— Aber wie diese ästhetischen Studien für ihn selber ein not- wendiger Durchgangspunkt waren, so sind sie für Kunst und Wissenschaft wertvolle Vor- arbeiten geworden. In einer Zeit, wo die„Asthestik“ aus Baumgartens Händen als die Lehre von der sinnlichen Wahrnehmung“ kaum entlassen war, wo Kant über Schönheit in höchst abstrakter Form kritisierte, ohne sie zu bestimmen, wo nur einzelne Männer; wie Winkelmann und Lessing auf conkrete Kunstwerke hinwiesen,— da konnte auch Schiller in seinen ästhetischen Studien noch nicht über den Standpunkt eines Vorläufers hinaus, der mehr auf dem Wege des Gefühls und der Divination, als auf dem der philosophischen Entwicklung wichtige Probleme zu lösen suchte. Aber seine Gedanken haben gezündet; sein hoher Sinn für alles, was anmuthig und erhaben, was frei und sittlich rein ist, fand Anklang in viel tausend Herzen; seine Ideen über Kunst und Schönheit eröffneten neue Gesichts- kreise, forderten zu reger Forschung und Fortbildung auf dem Gebiete der Asthetik auf und trugen ihre schönste Frucht in seinen eigenen poetischen Meisterwerken aus seiner letzten Periode.
Gehen wir nun auf Schillers ästhetische Schriften näher ein, so müssen wir schon einen Aufsatz vom Jahre 1782„über das deutsche Theater“ erwähnen. Es ist dies ein Vorlàufer der 2 Jahre später erschienenen Rede„über die Schaubühne als moralische Anstalt“.— In beiden Arbeiten stellt sich schon Schillers hervorstechender Zug dar, der Poesie unter den menschlichen Bestrebungen die hohe und ernste Stelle anzuweisen, wonach sie unmittelbar an das Edelste im Menschen geknüpft wird,— und von ihr die kleinliche und trockene Ansicht abzuwehren, welche sie nur zu einer tändelnden Verzierung und Ver- schönerung des Lebens machen will, oder unmittelbar moralisches Wirken und Belehrung von ihr verlangt. Schiller fasst die dramatische Poesie als selpständige Schwester der Moral und Religion und erkennt die eigentümliche Kraft ihrer Wirksamkeit in der„innlichen Anschauung“, die lebendiger wirke,„denn nur PTradition und Sentenzen“.
In der Rede über die Schaubühne, für die Schiller nun schon, ausser den„Räubern“, den„Figaro“ und„Kabale und Liepe“ geliefert hatte und für die er am„Don Carlos“ ar- beitete, bezeichnet er die Kunst als Erzieherin des Menshengeschlechts, wie er dies späterhin(Fe- bruar 1789) in den„Künstlern“ dichterisch ausgeführt hat. Die dramatische Kunst aber gilt
ihm nicht allein als der Gipfel der Kunst, er möchte sie auch als das„höchste Produkt des
menschlichen Geistes“ geschätzt sehen.— Er betrachtet sie in ihrem Verhältnis zum Menschen überhaupt, zum Staate und zur Nation.— Er stellt sie neben die Religion und schreibt


