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Die Verdienste Schillers um die Ästhetik
Entstehung
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Das Wesen und die Gesetze der Schönheit, die der künstlerische Genius unmittelbar in sich trägt und in seinem Kunstwerke darstellt, kommen in der Theorie der Kunst erst auf dem Wege der Reflexion zur Erkenntnis. Aber wie auf jedem Gebiete menschlichen Schaffens gehören auch in der Kunst Theorie und Praxis zusammen: sie Follen einander tördern und ergznzen. Je mehr sich der Künstler der Ansprüche bewusst ist, welche die Asthetik an ein Kunstwerk macht, desto höher wird er sich seine Aufgabe stellen; und je vollkommener ihm diese im Kunstwerke gelingt, desto besser kann aus demselben die Asthetik wieder ihre Regeln für die Kunst abstrahiren und darthun.

Dennoch ist es nur eine seltene Erscheinung, dass ein menschlicher Geist peides umfasst, Theorie sowohl wie Ausübung der Kunst, und in peiden Meisterschaft bewährt. Unter den wenigen, welche diese doppelte Virtuosität erreicht haben, ragt besonders Schiller hervor, in dem wir nicht nur den unsterblichen Dichter bewundern, sondern auch den Philo- sophen würdigen müssen. Von den Erstlingen seiner dichterischen Muse trieb es ihn zur philosophischen Reflexion üpber das Schöne und von dieser wieder zur Poesie, worin er es nun vollends zur Meisterschaft brachte.

Nach den ersten ästhetischen Versuchen waren es besonders drei Abhandlungen, die über Anmut und Würde, über die ästhetische Erziehung des Menschen und über naive und sentimentalische Dichtung, worin Schiller das Schöne nach seinem Wesen und nach einzelnen Seiten zu erfassen und darzustellen versuchte.

Wie diese, fallen fast seine sämtlichen ästhetischen wie historischen Arbeiten in

eine Zeit, wo es ihm Bedürfnis war, aus mangelhafter Vorbildung zu wissenschaftlicher Reife,

aus poetischem Instinkte zu vollendeter Kunstdichtung, aus subjektivem Stückwerk zu har-

monischer Durchbildung sich durchzuarbeiten. PDiese Arbeiten fallen meistens in die Jahre

1789 bis 1795, in denen Schillers Poesie fast gänzlich verstummt war. Noch über dem

Literatur-Angaben:

Lotze, Gesch. der Ksthetik in Deutschland, 1868.

Hemsen, Schillers Ansichten über Schönheit und Kunst. Göttingen, 1853 54.

Hoffmeister, Schillers Leben, Geistesentwicklung nud Werke, 5 Bd., Stuttgart, 1838 42. Derselbe, Supplemente zu Schillers Werken, 4 Bd., Stuttgart, 1840 41.

Zimmermann, Geschichte der Ksthetik, Wien, 1858.

Hettner, Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts.

K Tomaschek, Schiller in seinem Verhältnis zur Wissenschaft, 1862.

Solger, Vorlesungen über Asthetik, W. Heyse, Berlin, 1829.

Vgl. auch A Kuhn, Schillers Geistesgang, Berlin, 1863, und Ueberweg, Schiller als Historiker und Philosoph. herausgegeben von Brasch, Leipzig, 1884.