Druckschrift 
Die Philosophie Schillers und der Deutschunterricht in den Oberklassen des Gymnasiums
Entstehung
Einzelbild herunterladen

pflichtet sind. Und er betont ferner, daß es für die moralische Beurteilung einzig und allein auf den Willen des Handelnden ankommt, ganz und gar nicht auf den Erfolg der Tat. War der Wille gut, so ist die Tat zu billigen, ohne Rücksicht auf den Ausgang. Anderseits aber sei eine Tat, die dem Gebot der Pflicht entspreche, trotzdem keine moralische, wenn für den Handeln- den andere Motive neben dem Pflichtgebot mitbestimmend oder gar alleinbestimmend waren.(Moralität Legalität.) Erst durch diesen Kontrast werden die Schüler die Erhabenheit und sittliche Größe des Kantischen Gedankens ermessen können. Indem man aber dann darauf hinweist, daß auch jene Anschauungen eine Seite der Wahrheit richtig erkannt haben, wird auch und für die Wür- digung Schillers ist das ja wichtig die historisch bedingte Ein- seitigkeit der Kantischen Theorie deutlich werden. Die Erklä- rung des Ausdruckskategorischer Imperativ wird, da die Termini Kategorisch undhypothetisch ja aus der Logik geläufig sind, keine Schwierigkeiten machen.

Bedeutend spröder wird sich der Schulbehandlung die Asthetik zeigen. Lange Erörterungen über Schönheit und Kunst sind natürlich zu vermeiden; gerade hier wird man über das, was zum Verstandnis Schillers ganz unentbehrlich ist, gewiß nicht hinaus⸗ gehen. Indem man an der Hand von Beispielen das Schöne anderen Wertgefühlen gegenüherstellt, suche man das Charakteristische des- selben zu verdeutlichen. Man zeige, wie die Vorstellung von etwas Angenehmem oder Nützlichem immer ein Begehren nach dem Besitz hervorruft, während beim Schönen das bloße Schauen oder Hören genügt; man zeige, wie sowohl das Gefühl des Angenehmen wie das des Guten immer auf die Wirklichkeit hindrängen, und mache im Gegensatz dazu klar, wie in der Kunst der schöne Schein genügt, wie zum Beispiel die Schönheit einer Erzählung mit ihrer Wahr- heit nichts zu tun hat.

Aus dem Beispiel einer Theatervorstellung wird sich dann er- geben, daß dieses Bewußtsein, daß wir es nur mit bloßem Schein zu tun haben, für den Kunstgenuß sogar wesentlich ist. Jetzt wird auch leicht eingeschen werden, inwiefern man die Kunst im Gegen- satz zum Ernst des Lebens ein Spiel nennen kann.

An Beispielen aus der elementaren Asthetik(den Schwingungs- verhältnissen der Akkorde, der Wichtigkeit der Symmetrie) mache man dann klar, welch wichtiges Moment bei der Schönheit die Angemessenheit des sinnlichen Eindrucks ist. Da wird sich aber sofort ergeben, daß dies nicht bei allen ästhetischen Gefühlen der Fall ist, sondern daß bei einer sehr wichtigen Gruppe derselben gerade das Uberwältigende des Eindrucks ausschlaggebend ist.