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Persönlichkeit, eine knappe Erzählung, wie der„Alleszermal- mende“ auf seine Zeitgenossen gewirkt, wie er trotz der Oppo- sition der Fachgelehrten in kurzer Zeit gerade die besten Köpfe Deutschlands erobert hat, mag das Interesse beleben. In Anknüp- fung an die Titel der drei Hauptwerke wird dann seine Philo- sophie im allgemeinen als„kritische“ im Gegensatz zur früheren „dogmatischen“ zu charakterisieren sein. Geht man dann zur Dar- stellung der einzelnen Lehren Kants über, so ist natürlich streng daran festzuhalten, daß es sich nicht um eine Einführung in das Kantische System handelt; es ist also nur das anzuführen, was für das Verständnis Schillers unentbehrlich ist.
So wird man sich bezüglich der„Kritik der reinen Vernunft“ auf die Anführung und Klarlegung von Kants Grundanschauung beschranken können, daß unsere Erkenntnis nicht über die Er- fahrung hinaus könne und daß daher wissenschaftliche Metaphysik unmöglich sei. Fs liegt gewiß nahe, hier zur Erläuterung den Gegensatz von Erscheinung und Ding an sich heranzuziehen. Aber gerade da wird besondere Vorsicht am Platze sein. Der Begriff des Dinges an sich ist ja bei Kant schillernd und nicht freĩ von Widersprüchen und es ist hier sehr zu befürchten, daß die einleuchtendste Erklärung die platteste sein wird.
Im Gebiete der praktischen Philosophie wird es sich darum handeln, den Schülern den Kantischen Pflichtbegriff klarzulegen. Gerade weil die Vorstellung der Pflicht im allgemeinen den Schü- lern so geläufig ist, besteht die Gefahr, daß ihnen das Spe- zifische der Kantis chen Lehre entgeht. Man stelle daher— das kann mit wenig Worten geschehen— die Kantische Lehre in den historischen Zusammenhang hinein und zeige, wie sie sich aus der Opposition gegen die damals in der Moralphilosophie herrschenden Strömungen heraus entwickelt: Die einen wollen die Moral einzig abhängig machen vom moralischen Gefühl, das„gute Herz“ soll die Entscheidung über Gut und Böse zu treffen haben; so tritt an die Stelle des klaren Urteils der Vernunft nebelhafte Unbe- stimmtheit, die nur allzuleicht selbstsüchtigen Regungen EFinfluß auf unsere Handlungsweise gestattet. Die andern wieder bezeich- nen als den Zweck alles moralischen Handelns die Glückseligkeit des Menschengeschlechts, sie sehen bei Beurteilung einer Hand- lung zu sehr auf den Erfolg und zu wenig auf die Gesinnung, sie sind auch nicht sehr skrupulös in der Wahl der Mittel, wenn nur der gute Zwock erreicht wird. Da tritt nun Kant auf und betont, daß in unserm Gewissen ein moralisches Gesetz zu uns spricht, das uns in jedem einzelnen Fall genau vorschreibt, was wir zu tun haben, und dem wir zu unbedingtem Gehorsam ver-


