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Die Philosophie Schillers und der Deutschunterricht in den Oberklassen des Gymnasiums
Entstehung
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Bei der Behandlung Schillers dagegen erheben sich schier un- überwindliche Schwierigkeiten durch Schillers Verhältnis zur Philosophie. Wer sich nicht klar ist über die Bedeutung, die Schillers Beschäftigung mit der Philosophie für sein ganzes ferneres Wirken gewonnen hat, der ist ja weit entfernt von einem Ver- ständnis Schillers. Anderseits aber stößt jeder Versuch, die Philo- sophie Schillers in der Schule zu behandeln, auf erhebliche Hin- dernisse. Die Schwierigkeiten, den Schülern philosophische Pro- bleme begrifflich klarzulegen, kommen hier nicht einmal so sehr in Betracht wie der Umstand, daß nur der die Tragweite solcher Probleme ermessen kann, der sie in gewissem Sinne selbst erlebt hat. Hier werden also dem Lehrer des Deutschen stets die ernstesten Sorgen erwachsen.

Der einfachste Ausweg scheint freilich der, auf Schillers philosophische Bemühungen überhaupt nicht näher einzugehen. Eine Reihe von Gründen läßt sich hiefür anführen. Beschäftigung mit Philosophie fällt ja nicht in den Rahmen des Gymnasiums. Und speziell der Deutschunterricht in den obersten Klassen hat so mannigfaltige Aufgaben zu lösen und die Zeit ist ihm im Verhältnis dazu so karg zugemessen, daß er gewiß keine Ursache hat, den Kreis seiner Tätigkeit ohne zwingende Nötigung noch zu erweitern. Man begnüge sich daher beim literaturgeschichtlichen Unterricht mit einer kurzen Erwähnung von Schillers philosophi- schen Studien und Schriften und verwende im übrigen Zeit und Fassungskraft der Schüler auf diejenigen Dichtungen Schillers, die ohne Kenntnis seiner Philosophie verständlich sind. So werden die Schüler zwar nur einen Teil von Schillers Gesamtwerk kennen lernen, aber diesen dafür umso gründlicher.

Aber gegen diesen Standpunkt macht sich sofort ein gewich- tiger Einwand geltend. Schillers Gedichte und Dramen sind Ge- meingut des deutschen Volkes, seine philosophischen Schriften dagegen sind in den Hunderttausenden von Exemplaren, die in den Händen des Publikums sind, toter Ballast, selten gelesen, viel seltener noch verstanden. Da muß es doch das Gymnasium, das höhere Bildung vermitteln soll, gewiß als seine Aufgabe be- trachten, die Schüler damit bekannt zu machen, was Schiller mit diesen Werken gewollt hat, und sie zugleich darüber aufzuklären, warum die Lektüre dieser Werke dem philosophisch nicht Geschulten solche Schwierigkeiten macht, damit doch der Schüler den betref- fenden Bänden seiner Schillerausgabe nicht mehr völlig ratlos gegenüberstehe. Und da nun der Weg zu einem tieferen Verständ- nisse Schillers nur durch seine Philosophie geht, so wird es umso- mehr Pflicht der Schule, den Studierenden diesen Weg, den sie