Teil eines Werkes 
2 (1846) Die Sphäre des Archimedes
Entstehung
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findende, bei Dichtern freilich verzeihliche Verſchweigung von ſcheinbar unbedeutenden, der lebhaften Phantaſie gleichgültigen, aber dennoch höchſt wichtigen Einzelnheiten bedingt die Nothwendigkeit, das Fehlende durch Combination zu erſetzen oder ſtillſchweigend zu über⸗ gehen. Am gerathenſten dürfte es ſein, ſich auch hier der Führung Cicero's anzu⸗ vertrauen und nach ſeiner Beſchreibung ein Bild von den Archimedeiſchen Sphären zu entwerfen, an welchem ſich dann von ſelbſt das Bild der andern, in ihrer Conſtruction

abweichenden Sphären abſpiegeln wird.

§. 14. Von der körperdichten Sphäre des Archimedes.

Cicero unterſcheidet in ſeiner Schrift vom Staate ¹) die beiden Sphären des Archi⸗ medes ſehr genau von einander wegen ihrer ungleichartigen Beſchaffenheit, in welcher für die Rachwelt ebenſowohl ein Zeugniß für den Fleiß und die beſonnene Ausdauer liegt, womit der Künſtler ſeine Idee auf eine immer vollkommnere Weiſe zu realiſiren geſucht bat, als auch ein Mittel, das Alter der beiden Globen zu beſtimmen. Denn wie ſie in ihrer mangelhafteren oder kunſtreicheren Einrichtung als treue Verkündigerinnen des wiſſenſchaftlichen und künſtleriſchen Standpunktes, welchen ihr Urheber gerade eingenommen, erſcheinen, ſo entſcheiden ſie ſelbſt über ihre Entſtehungszeit. Unſtreitig ging die körperdichte Sphäre, als der rohere Anfang, der andern voraus, in deren Conſtruction ſich Archimed's kluge Berechnung und fortdauerndes Nachdenken über die zweckmäßigſte Art, die ſeiner Seele vorſchwebende Idee zu verkörpern, am meiſten offenbaret und darum einer ſpätern Zeit angehöret. Wie billig, muß daher auch von jener zuerſt die Rede ſein.

Iſt es wirklich unſtatthaft, in der körperdichten Sphäre das alte mileſiſche Kunſtwerk wieder zu finden, obgleich man ſich hierzu unwillkürlich hinneigt: ſo war dieſelbe, wie bereits oben') geſagt wurde, doch auch keine ſelbſtſtändige, freie Schöpfung des Syra⸗ cuſaners, ſondern ſchloß ſich als Rachahmung, wie in der leitenden Idee, ſo in der Aus⸗ führung an das Vermächtniß des Philoſophen aus Milet. Mithin hatte ſie, wenn auch

mit einzelnen Abweichungen, die als Verbeſſerung im Laufe der Jahre von Anaximander

1) De republ. I. 14. e