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ſo ſagen wollen— ein Band zu werden, wodurch das deutſche Volk ein organiſches Ganze werde. Unſere Kaufleute, Gutsbeſitzer, Fabrikherrn, höhere Gewerbtreibende ac., ſie ſollen fortwährend die Leiter ſein, durch welche die Schätze unſerer höheren nationalen Bildung an Weisheit und veredelter Sitte auch denen zufließen, die nicht Muße und Mittel haben, ſie an den eigentlichen Heerden zu ſuchen, denen aber doch ihr Antheil daran nicht verkürzt werden ſoll, denn ſie haben Mittel und Muße dazu geſchaffen. Von daher wird durch eben dieſe Stände den Dichtern und Weiſen immer wieder das volle, deutſche, wahre Gefühl zuſtrömen, das ſie vor falſcher Sentimentalität, Ziererei, Ueber⸗ ſchwänglichkeit bewahrt, ſo wie es auch die in die Höhe geſpindelte, abſtracte, bloß dialectiſche Weisheit der Gedenkbarkeit, die Naſeweisheit, die Weisheit des blauen Dunſtes in ihrer erträumten Allgewalt beſchränken wird. Dann kommt in die Bildung jene ächte, unvergängliche natürliche Wahrheit zurück, weil ſie an der Wirklichkeit nicht nur täglich ihre Probe macht, nicht etwa nur an der reinen, a priori demonſtrirbaren Fürſichheit des Begriffes; ſondern noch mehr, weil ſie aus der Wirklichkeit ihre Nahrung ſaugt, ihre Antriebe in der Erfahrung, in dem Erlebten findet, und nicht immer über das Speculiren ſpeculirt, nicht immer für die Köche kocht, ſondern für die Gäſte. Wie anders hätte wohl ein Friedrich gewirkt, wenn er mit ſeinen Preußen, mit den Deutſchen, als mit einem gebildeten Volke hätte verkehren können, wenn ſtatt Voltaires ein Herder, Göthe, Schiller ſein Sansſouci erheitert hätten, und dieſer Wechſelverkehr nun in das Volk ausgeſtrömt wäre; wenn dieſe, in denen ſich jetzt der Weimarſche Hof mehr oder weniger ſpiegelt, die Strahlen jener heroiſchen Thatkraft mit ihrem Genius hätten empfangen können. Welch ein anderer Typus möchte wohl jetzt der preußiſche, vielleicht der deutſche ſein. Gewiß nicht ärmer an Kraft, aber reicher wohl an anderer Herrlichkeit, deren Mangel ihm den Weg in das Herz der übrigen Deutſchen erſchwert. Aber das Gute kommt nie zu ſpät, es werde immer mit derſelben Hoffnungskraft ergriffen, unſere Schulen ſollen immer eifriger dahin wirken, das echt Volksthümliche von oben nach unten, von unten nach oben zu führen, jeden Riß zu füllen und was wir Herrliches haben, zum Gemeingut des Volkes zu machen, daß es Salon, Studierſtube, Gerichtsſtube, Kirche, Haus, Werkſtatt, Stadt und Land mit dem Gefühle geiſtiger Blutsverwandtſchaft erfülle. Daß ich in dieſer Beziehung zu meinem Volke in einem unverwüſtlichen Glauben verharre, das iſt mein Glück und mein Stolz. Ich ſehe es in keine ſo gemeine Leidenſchaft, noch frivole Leicht⸗ fertigkeit verſtrickt, ich ſehe es mit ſeinem angebornen ernſten, beſonnenen Weſen bei den umgebenden Verwirrungen ſich gleich verharren, kaum in ſeinem äußerſten Schaume aufregbar. Was muß es werden, wenn der Geiſt der gediegenen Bildung, an keine Hauptſtadt und ihre Bannmeile gebannt, die bürgergeborne Bildung, die unter uns ſchon Worte gefunden, wenn ſie auch an keine dazu privi⸗ legirten Stände mehr gebunden, immer wahrer ausſtrömt in das Volk. Gerade unſere deutſche Literatur iſt wie ſonſt keine befähigt, ein Volk zuſammen zu halten, wie ſie ja auch bis jetzt faſt das einzige Band unſeres Volkes geweſen iſt. Sie iſt weder das Kind raffinirter Höfe, noch großer üppiger Städte, denen ſie zum Zeitvertreibe und zur Aufregung abgeſtumpfter Sinne geſchrieben wäre; ſondern, wer ihren Urſprung kennt, wird es wiſſen, ſie iſt hervorgegangen aus einem Kreiſe treuer Freundſchaft, frommer Liebe, einfältiger Sitte und Tugend, hat ſich aufgeſchwungen zu hoher, begeiſterter Vaterlandsliebe, zur Verherrlichung und Darſtellung edler ſittlicher Geſtalten und iſt in ihren Haupt⸗ trägern dieſer Richtung ſtets treu geblieben.


