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ſpective herab auf das wirkliche Leben herabſchaut, wie auf einen Guckkaſten, und als wäre es etwas Gemeines. Dann muß ja das Leben bald den Einfluß jeder höhern Weisheit entbehren, ſo wie die höhere Weisheit alles wahren Lebens; ungeſtraft aber meiden ſich beide nicht. Eine gleiche Kluſt iſt da, wo die höchſten Stände im Leben ſich vom Volke trennen, ohne eine den Uebergang bildende Vermittlung. Welch eine zerklüftende Verſchiedenheit der Sitten, des Lebensgenuſſes ſehen wir, wo dieſer Fall eintritt, und mit welchen böſen Folgen für beide Theile verknüpft! Wäre wohl die Bildung des franzöſiſchen Hofgeſchmacks früher in der bekannten Art möglich geweſen, wenn der Hof mit dem Volke in zuſammenhängender Verbindung geblieben wäre? Vieles von dieſem Geſchmack, nach dem ſie ſich ihr Leben einrichteten, kam wohl aus üppiger Langeweile und Laune; Vieles aber ſicher aus Trotz und Verhöhnung des Volkes, aus Ueberhebung über die, von denen ſie ſich ſcheiden wollten durch Sitten, die ein in Ernſt und Arbeit Tag und Woche zubringender Stand nicht nachahmen kann— ſelbſt wenn er wollte, wenn er Mittel und Luſt hätte, ſich darüber zu Grunde zu richten. Wohin dieſe blaſirte Excluſivität des Lebens beide Theile geführt, iſt weltbekannt, denn es muß ein und dieſelbe ſittliche Weltanſchauung das Volk durchaus beſeelen, es muß kein Stand eine beſondere haben wollen; es muß ein und dieſelbe gemeinſchaftliche Volksſitte den Grundton des ganzen Lebens anſchlagen, wie es ſich nun auch im Kleide von Sammt und Leinwand äußerlich verſchieden geſtalte. Derſelbe Kern nur muß in der Sitte ſein, die Herzen müſſen ſympathiſtren.(Verſtehe man hier unter ſittlicher Weltanſchauung nur nichts Ueberhorizontliches, es iſt etwas ſehr nahe Liegendes und findet ſeinen nächſten Ausdruck in der Religion, in der Vaterlandsliebe ꝛc.) Soll nun unſere Schule bei Bildung der Stände, die ein Gymnaſiallehrer*), im Gegenſatz zu den idealen(den facul⸗ tätiſchen) einmal die realen nannte,(ohne dieſen Unterſchied ganz zuzugeben) es verſäumen dürfen, den Blick zu richten auf eine Welt, wo noch andere Intereſſen, als die des Erwerbes, des techniſchen Berufes die Seele erfüllen, wo noch eine andere Liebe gilt, als die des Geldes, wo Triebfedern wirken, für die ohne Bildung Tauſende kein Organ, geſchweige denn Erfahrung beſitzen! Nein, die Schule darf nicht ſagen, daß ſie eine höhere Bürgerbildung beabſichtige, die es verſäumte, ihre Schüler auf den Standpunkt zu erheben, auf dem ſie für ſittliche(ideale) Güter nicht gern ihre realen Güter, ja das Leben aufopferten? Hierzu muß freilich das ganze Volk gebildet ſein, aber die gebildeten Stände müſſen der Maſſe des Volkes darin vorleuchtende Muſter ſein;(denn zum bloßen beſſer eſſen, trinken, wohnen ꝛc. ſind ſie nicht da) ſie müſſen jene großen Gedanken, welche in einigen hocherleuch⸗ teten, hochgemutheten Männern wie Himmelsfunken electriſch aufblitzen, in ſich aufnehmen, in immer weitern Kreiſen, mit denen ſie im Verſtändniß ſtehen, ausſtrahlen und ausleuchten laſſen, bis ſie auch an den letzten Mann gelangen. Denn nur Wenige können es ja immer ſein, in denen die größten Bedürfniſſe eines Volkes zu klaren Gedanken werden und den ſchlagenden Ausdruck gewinnen. Aber Stimmen des Rufers in der Wüſte ſind dieſe Wenigen, die verhallen, wenn ſie nur in der Gelehrten⸗ oder Staatsmännerzunft verſtanden werden, wenn die Tauſende fehlen, die das Verſtändniß derſelben nach allen Orten hinleiten und ſo die zu freien Bundesgenoſſen am gemeinſchaftlichen Werke heran⸗ ziehen, die ſonſt nur willenloſe, unzuverläſſige Werkzeuge ſein können.
Dieſen Beruf habe ich unſerem höheren Bürgerſtande zugedacht, ſeiner ganzen Stellung nach iſt er auch einzig dazu befähigt, aufnehmend und zurückwirkend nach oben und unten— wenn wir einmal
*) Deinhardt.


