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Über die Einführung unserer Jugend in die deutsche Literatur
Entstehung
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Edeln glauben jene Verirrungen zum Niedrigen aber verachten lernen.) Darum bewahren und warnen wir ſie auch vor der Literatur, die ſich's zur Aufgabe gemacht, das edle Bild der Menſchheit zu verhöhnen; und flößen ihnen auch Widerwillen ein gegen eine jetzt beliebte ſalonsmäßige Richtung, die in ſich ſpreizender Sitten⸗ und Sprachvermengung alles Nationale verhöhnen und aus den vor⸗ nehmeren Kreiſen verdrängen möchte. Wir thun dieſes, indem wir ſie gewöhnen an den Ausdruck der ächten, wahren Naivität, die die vollſten, breiteſten, naturgetreuſten unmittelbarſten Worte in ihrer ſeelenvollſten Bedeutung gebraucht,(nicht zugeſpitzt, nicht zu einem Rückhalt umgedeutet) wie ſie ohne Wandel gehört und verſtanden werden können, in des Armen Hütte, in des Königs Palaſte, in des Weiſen Lehrſaal und doch aller Orten gleich würdig, gleich verſtändlich, gleich wahr klingen.

Wollten ſie doch überall nur auch die gleich treue, unmittelbare Natürlichkeit der Sitte, des Denkens, Empfindens, Wollens und Thuns zur Folge haben, eine Natürlichkeit des Weſens, die dem Hohen wie dem Niedern wohlſteht, die den bunten, gefärbten jargon(Kauderwälſch auf Deutſch, eine Sprache auf der Grenze zwiſchen Frankreich und Deutſchland) der Converſation aus Mund und Herz und Thun vertriebe; das Regiment der Naſeweisheit und der lebloſen Schulweisheit wäre vorbei, und der ächte, unverbrämte, unverdeckte Manneswerth würde wieder zur offnen Darſtellung und Anerkennung kommen. Irren wir hierin, indem wir dieſes wollen, ſo gereicht uns dieſer Irrthum wenigſtens nicht zur Schande und in masnis voluisse sat est. Da aber ein ſolches Streben nicht mechaniſch,(durch Ueberlieferung etwa vieles ausſprechbaren Wiſſens) ſonder mehr dynamiſch, innerlich umgeſtaltend wirken kann, da unſere Methode nicht conſtructiv, aus dem Begriffe die Vorſtellung erzeugend, ſondern contemplativ, aus der Anſchauung und Vorſtellung erſt ſpäter, wenn es ſein kann, den Begriff bildend vorgeht, ſo dürfen wir freilich nur hoffen, Samenkörner auszuſtreuen, deren Wachſen und Blühen wir vielleicht nie mit Augen ſehen, die aber doch nicht umſonſt werden gepflegt worden ſein.

Betrachte ich nun von dieſem Standpunkte, dem deutſch volksthümlichen, vaterländiſchen, unſere Schule, unſere Aufgabe: ſo meine ich, daß ihr gerade in dieſer Beziehung eine ſehr wichtige Rolle zufällt, daß dieſer Unterricht gerade für uns eine doppelt wichtige Beachtung erfordet. Die Zerklüftung, die Zerſpaltung eines Volkes, in organiſch nicht verbundene, durch kein geiſtiges Band zuſammen⸗ gehaltene Gruppen iſt das Verderbliche, denn es hält, wo dieſes der Fall iſt, kein gemeinſchaftliches Bewußtſein die Theile zuſammen. Außer den niedrigſten Bedürfniſſen der Nahrung und des polizeilichen Schutzes, den ſie ſich dann allenfalls gewähren, iſt nichts Gemeinſames in ihnen. Keine gemeinſame Idee als Aufforderung zu gemeinſamen Handeln bewegt die Herzen, ſie vermag weder von oben herab noch von unten hinauf alle Theile zu durchſtrömen und ſich in jedem Kreiſe angemeſſen zu geſtalten. Und wenn ſie dieſes nicht kann, iſt die Wirkſamkeit, auch der herrlichſten Idee doch nur eine theilweiſe, bruchſtücksweiſe, ja ſich oft ſelbſt vernichtende, Mißtrauen und Widerſtreit erweckende; denn die Menſchen verſtehen, alſo trauen ja einander nicht. Welche Kluft bringt die höhere, ſpecu⸗ lative Weisheit in ein Volk, wenn ſie in gänzlicher Zurückgezogenheit allen Zuſammenhang mit dem Volksleben verliert, in zurückgezogener Laune und Giilligkeit, aus einer erträumten Vogelper⸗

*) Wir empfehlen die herrlichen Schulreden des Dr. Ludwig Döderlein, Erlangen. Encke 1843, in denen dieſer Gegenſtand neben vielen andern trefflich behandelt iſt, und woraus ich einige Sätze entlehnte. 3*