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nützen; der wahren Liebe auch ohne Schlangen⸗Klugheit gelingt noch eher etwas Gutes, als der Schlangen⸗Klugheit ohne Liebe.
So lerne Jugend dein Volk kennen, lieben ehren in denen, welche deines Volkes Kern und Weſen am ſchönſten in ſich aufgenommen und vor der Welt erſchloſſen haben. Wenn die Alten ihre großen Männer ehrten, indem ſie ihnen Statuen ſetzten, ſo geſchah es vor der Stadt d. h. dem ganzen Staate, jeder Vorübergehende kannte, ehrte, verkündigte ihren Werth, den das ganze Volk wußte. Wenn Städte, die für ein Volk gelten, ihre Weſtminſter⸗Abtey ſchmücken, ihre Denkmäler erheben— es mag für ſie genügen, für uns genügt es nicht. Herder ſehnte ſich nach einem Mnemeion, nach einem Athanaſium edler Deutſchen, er meinte Biographien, die das Herz der Jugend entzünden. Wohl, wir haben deren, die ſchönſten Biographien unſerer edeln Männer, es ſind ihre Werke. Was würden uns in Deutſchland auch Weſtminſter⸗Abteyen helfen, was Standbilder an der Spree, an der Donau, für die, welche man dort oder hier zu ehren für gut fand. Wenige ſehen dieſe, Wenige denken etwas dabei; aber in den Herzen des Volkes ſollen dieſe Männer leben, und da ſollen die Schulen ihnen die Denkmäler errichten! ne virtutes sileantur, utque pravis dictis factisque ex posteritate et infamia et metus sit. Das ganze Volk ſoll dadurch ein lebendiges Denkmal ſeiner großen Männer ſein, die Werke und Thaten ihrer begeiſterten Stunden muß es allezeit lebendig in ſich tragen, alſo daß ſie an⸗ und aufregend, vorbildend, maßgebend auf das ganze Volk wirken und in demſelben von unten auf den edelſten Wetteifer entzünden. Vergeblich haben ſie gelebt, wenn ihre Werke nicht erkannt, nicht befruchtend aufgenommen werden; für den Verkenner, den Verächter, den trägen Lüſtling war der Edle gar nicht da. Wir gehören der Weisheit nicht an, die den Patriotismus für eine Beſchränkung hält, wir finden in ihm gerade die größte Aufforderung zur gründlichen Entfaltung alles Guten und Großen, was der Menſch aus ſich heraus zu bilden vermag. Daß dieſes nur immer in einer heilſamen Beſchränkung geſchehen könne, und zwar in der, die Gott dem Menſchen auferlegt und die von dieſem anerkannt werden muß, ganz beſonders in der Beſchränkung, welche die Baterlandsliebe jedem auferlegt, iſt unſere Ueberzeugung. Dieſe ruft ihn von dem vagabondirenden Egoismus weg, der unter dem Vorwande, ſich die Freiheit zu bewahren, um überall wo ihn ſeine Liebe hinzöge, anknüpfen zu können und ſich darin durch keine vorgefaßte Beſchränkung hindern zu laſſen, meiſt weiter nichts ſucht, als die Don Juanſche Licenz,— da wieder los zu laſſen, wo Treue und Ausdauer ihn im vergänglichen Lebensgenuß ſtören, oder ihm Pflichten zumuthen könnte, deren Erfüllung man ſich lieber bequem entzieht.
Nichts trauriger, als das ubi bene ibi patria! Menſchen dieſer Geſinnung ſind Wespen, die überall wo es Birnen zu nagen giebt, herangeflogen kommen. Nein mit dem Volke, deſſen Typus nicht nur in unſerer leiblichen Geſtalt ſich ausprägt, das auch von Jugend auf mit ſeinem Geiſte uns genährt,(wenn es anders geſchah) uns ſeine geiſtige Geſtalt eingeprägt, mit dem zu leben und zu ſterben, mit dem Alles zu theilen, Leid und Freud und unter keiner Bedingung weder innerlich noch äußerlich von ihm loszulaſſen, das iſt heiliger Beruf. Wem nicht der einfachſte Gruß, der ihm einen guten Tag wünſcht, in der Mutterſprache lieber iſt, denn tauſend Sirenengeſänge an der Seine, Themſe, dem Tiber, der Newa, den ſoll nie ein deutſches Lied erfreuen und tröſten, und dem ſollen Alle, mit denen er ein Kind und ein Knabe geweſen, ein Jüngling, ein Mann geworden, zurufen: „Wir kennen dich nicht!“ Ja wie einen Schild ſoll unſere Jugend dieſe erlangte Vertrautheit mit


