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druck dafür gefunden hatte. Ja ſelbſt confeſſionelle Unterſchiede traten vor dieſer geiſtigen Macht zuruck, wie Nebel vor der jungen Morgenſonne.
Ich bin hierbei etwas ausführlich geweſen, obgleich ich nichts Neues geſagt habe; aber doch Vielen etwas Neues, und nicht genug zu Beherzigendes, und daher nicht oft genug zu Sagendes Werfen wir nun einen Blick auf die Gegenwart, um für unſer Thun Theilnahme zu ſuchen— nicht Rechtfertigung, deren bedarf's nicht— aber der Theilnahme bedarf's, der Beihülfe— und dieſe beſteht zunächſt im Vertrauen. Dieſes wird aber nur dann wahrhaft und nützlich uns zu Theil, wenn es uns gelingt, das Nothwendige unſeres Thuns ſo darzulegen, daß wir nicht nur die Billigung im Allgemeinen für uns haben; ſondern auch die Einſicht in die Gründe, welche uns leiten, außer unſerm Kreiſe verbreiten. Denn nur begründetes Vertrauen kann erbaulich und förderlich ſein.
Als das höchſte, letzte, einzig nennenswerthe Ziel unſerer, höhere Bürgerbildung beabſichtigenden, Schule nannten wir alſo das Volksthümliche. Alſo das was von Natur, von Gott dem deutſchen Volke eigenthümlich gegeben, in der Sitte, vor allen Dingen in der Sprache am unverkennbarſten hervorſpringt. Das alſo, was dem Volke durchaus gemein iſt, was vom Höchſten bis zum Niedrigſten in allen lebt, von allen als ihre Natur empfunden und gewußt wird, alſo woraus ſie, als aus dem angebornen Stoffe, durch Bildung, das heißt durch Ausſcheidung des Gemeinen, durch Vermeidung des Angeborgten, Angekünſtelten, Uebertriebenen, ſchwächlich Zugeſpitzten, alſo durch treue Pflege und Stärkungen das machen, was in Gott und Menſchen gefallender Weiſe daraus werden kann.— Wohlgemerkt, Beiden muß es gefallen!—
Es iſt dieſes die Seele, welche im Volke lebt und Alle von ſelbſt zu einander helfenden Genoſſen an demſelben Werke macht und dadurch Eintracht bewirkt. Gemeinſames Streben, gemeinſame Arbeit verbrüdert, nicht gemeinſamer irdiſcher Gewinn, denn der entzweit, indem er die Concurrenz ſchafft; der verengt die Herzen. Dabei wünſcht leicht Jeder ſeinen Nebenbuhler ſchwächer und ungeſchickter, wird geld⸗ und herrſchſüchtig, ein Unterdrücker der Andern; bei gemeinſamen Streben aber wünſcht er ihn noch tapferer, herrlicher, und freut ſich des Guten an Andern, weil es die Sache und ihn ſelbſt fördert, nicht beeinträchtigt. Alſo daß ſich die Seele unſerer Schüler entzünde zu dieſer edeln deutſchen Volksthümlichkeit— dazu müſſen ſie den Deutſchen, ſein Weſen, ſeinen Veruf und das, was an ihm iſt, kennen lernen, und zwar in der Jugend. Denn die Zeit des unbefangenen, reinen Beobachtens, Merkens, Lernens für ſo etwas dauert nicht ſehr lange, ſpäter miſchen ſich eigne Meinungen, Empfindungen, Urtheile ein, ſtatt Beobachtungen ſtellt er Betrachtungen an, auf die er kein größeres Gewicht legen darf, als inwiefern er ſich auf die Natur und Ausbildung ſeines Geiſtes einigermaßen verlaſſen kann und von Vorurtheilen ſo wie von Leidenſchaften frei iſt.(Göthes Werke 38 p. 5.) Durch Anſchauung des Verſtandes und Herzens ſoll er ſein Volk kennen lernen; und wo geſchieht dieſes am natürlichſten, als in der Geſchichte, in den Liedern in der ganzen Schöpfung des geiſtigen Lebens? da ſoll er ſich von Jugend auf in ein Verhältniß zu ſeinem Volke einleben, da ſoll er hören, was die Mündigen reden und ſich daran emporbilden; da ſoll er den tiefen Gedanken⸗
Troſt und Rettung. Alſo ſie fühlen's auch; ſo ſind ſie doch, wie unſer eins, ſie haben ein Herz wie wir— denkt Jeder dabei— und nun iſt's ſchon gut. Das iſt die Treue, mit der ein Volk von oben bis unten zuſammengehört, wenn alle ſich zu einem Kreiſe der Liebe und des Troſtes zuſammengebannt fühlen, und Keiner auch hierin, oder in ſonſt etwas für ſich etwas Apartes verlangt.(Siehe Eckermanns Geſpräche.)


