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ging verloren. Dieſe Entmuthigung war es, woran Deutſchland von nun an krankte, wodurch dieſes ſonſt ſo hoch gemuthete Volk zum Spott des Auslandes wurde. Hunderttauſend Tapfere wären wohl in Deutſchland zu finden geweſen, ſie hätten auch unter allen Umſtänden damals hingereicht, unſere Waffenehre herzuſtellen; auch war die eigentlich im 30 jährigen Kriege nicht verloren. Aber es war keine Idee im Volke, durch die es belebt werden konnte, und nirgend ein Punkt zu finden, von dem aus neue, bewegende, begeiſternde Ideen in daſſelbe hätten ausſtrömen und Alle erfaſſen mögen. Die Gelehrten tröſteten ſich lateiniſch, die Großen verſteckten ihre Schaam in franzöſiſchen Worten. Alſo die beiden Stände, von denen allein Erhebung kommen konnte, waren durch die Sprache, wie durch eine chineſiſche Mauer vom Volke geſchieden, ermangelten aber dadurch ſelber der ſich immer wieder erneuenden Friſche, die ihnen nur aus dem Volke wieder zuſtrömen konnte. Die Vornehmen waren alſo Franzoſen, die Gelehrten Lateiner geworden. So lag das deutſche Volk an Ideen verarmt und ſchmachtend zwiſchen ſeinen Mächtigen und Gebildeten; dieſe lebten nicht mit ihm, thaten, als wären ſie nicht ſeines Fleiſches und Blutes, ſchämten ſich ſeiner ſogar. Den Arbeitenden floß für ihre Mühe nichts wieder zurück von denen, welchen ſie durch ihren Schweiß die Muße zu geiſtiger Belebung gewährten, und von dem ſie es als Lohn erwarten konnten.
In Paris und Rom waren dieſe mit ihren Herzen, ihre verlaſſenen Landsleute verſanken in Roheit und Krähwinkelei und ſtaunten ihre Herren und Gelehrten verdutzt an, als wären es Leute aus einer andern Welt. Was nun nicht weit her war, war wirklich nichts. Weder ausgebreitetes Wiſſen, noch ernſteres tieferes Denken fand einen Weg zum Volke, keine feinere Sitte, keine Einſicht in die höheren Bedingungen des bürgerlichen und ſtaatlichen Lebens, kein geiſtiger Antheil an den großen Thatſachen und Ereigniſſen der Geſchichte erhellte den beſchränkten Geſichtskreis. Das Erſte lag unter dem Siegel einer todten Sprache, der Menge ſchon dadurch unzugänglich. Aber wenn ſich auch Jemand dieſer Sprache bemächtigt hätte: ſo war ihm doch der Schweiß der Gelehrten ſchon darum unnütz, weil dieſe in ihrer Losgeriſſenheit vom Volke, auch von dem edleren, auf dieſes Rückſicht zu nehmen nie gedacht hatten. Und ſo rächte ſich dieſe Verirrung an den gelehrten Ständen ſelber. Sie arbeiteten weder für die deutſch, noch für die franzöſiſch Redenden, ſondern nur für ſich. Die Köche kochten nicht für Gäſte, ſondern für Köche. Ihre Bücher waren für nicht Eingeweihte— Räthſel, hatten immer andere gelehrte Bücher zur Vorausſetzung. Sie nannten dieſes für die Wiſſen⸗ ſchaft ſchreiben. Ihre Bücher waren immer wie einzelne Blätter zu einem Baum, nie wie ein Ganzes von unten aufgewachſen. Sie lernten darum zur Strafe auch nie ein Buch machen, an dem ſich ein Anderer, als ein Zunftgenoſſe, hätte erbauen können. Wir ſehen noch an Leſſing, wie ſchwer es ihm wurde, dieſen Staub von ſich abzuſchütteln, und mit welchem Ingrimm ſich Herder gegen dieſe deutſche Sünde ſetzt. Wir ſehen aber auch, wie zweideutig die ächten Wiſſenſchaftsmänner auf dieſe beiden hinüberſchielten, als dieſe mit Werken hervortraten, die nicht in jenem Sinne wiſſenſchaftlich waren; und nur die überlegene Vollbürtigkeit im lateiniſchen Zufluchtsort, die ſie bei gelegentlichen Kämpfen bewährten, brachten jene zum Schweigen, und der gefundene, weit verbreitete Antheil und Beifall nöthigte auch jene, allmählich immer mehr aus ihren Kreiſen herauszutreten. Mit Staunen ſah der eingeſchüchterte Deutſche, daß er auch Geiſt haben könne, wenn er's nur wagte. Und hatte Leſſing neben Klotz, hatte Herder neben ſo vielen lateiniſch bleibenden Zeitgenoſſen an Werthe verloren, als


