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iſt der Boden, in dem der Geſchmack, überhaupt die Befähigung zu einem höhern Menſchenwerthe zu ſuchen iſt. Durch bloße Kenntniſſe iſt die verſäumte Gefühlsbildung durchaus nicht auszugleichen, im Gegentheile, Kenntniſſe ohne veredelte Bildung der Empſtudung verführen öfters zu pedantiſcher, monſtröſer Roheit, ja zu Lächerlichkeit, befähigen höchſtens zu techniſcher Wirkſamkeit; aber zu einem höhern menſchlichen Einfluſſe reichen ſie nicht hin, und das„Opfere den Grazien!“ iſt daher noch immer über jede Kinder⸗ und Schulſtube zu ſchreiben.
IIlI. Warum?— Und nun gehen wir zum dritten, zum wichtigſten Punkte über, und fragen: „Wozu thun wir dieſes ſo ausführlich? Was denken wir überhaupt dadurch zu erreichen?“ Auf dieſen Punkt fällt überhaupt das ganze Gewicht des Standes, den wir bilden mithin unſere ganze Schule, und ich denke hier ausführlicher reden zu müſſen. Ich muß hier Vergangenes mit ins Auge faſſen, denn nur ſo kann die Tendenz kräftiger hervortreten. Unſere Schule bildet nicht Gelehrte, aber Gebildete will ſie bilden. Sie hat nicht eine ſpecielle Tendenz, iſt keine Fachſchule; deutſche Bürgerbildung iſt ihr Zweck. Der Glaube, daß bloß die alte Philologie eine ächte Bildung möglich mache, wird von der Erfahrung, von dem Beiſpiele der Alten und von jeder richtigen Vorausſetzung widerlegt. Muß denn die Bildung immer nur eine herübergeholte ſein? Mögen die Gelehrten herüber holen, ſo viel ſie wollen, ſelbſt auf die Gefahr hin, ihre Volksthümlichkeit zu verlieren; von der Maſſe des Volkes aber zu fordern, ſie ſolle der Bildung entbehren, oder ſie erborgen, hieße ihm zumuthen, ſeinen Werth, oder ſeine Volksthümlichkeit aufzugeben.
Mag die Gelehrſamkeit der Philologen die Alterthumswiſſenſchaft immer mehr ausbilden zum tiefen Verſtändniß der Weltentwickelung und zum Verſtändniß der alten Meiſterwerke auf dem eignen Grund und Boden. Aber mit dem Berichterſtatter über die letzte Philologenverſammlung in Darmſtadt (Hall. Lit. Ztg.) zu glauben, oder zu hoffen, es werde eine Zeit kommen, wo auf dem Grunde der jetzt unpopulär gewordenen, in einer neuen Entwickelung begriffenen Alterthums⸗Wiſſenſchaft ſich eine erneuerte, höhere Blüthe unſerer Volksbildung erheben werde,(wie Sec. 15. 16.) heißt nach meiner Meinung, den Alten zu viel, uns aber gar zu wenig Ehre anthun. Ich denke beſſer von unſerm Volke und hoffe nicht ins Blaue hinein. Hat die claſſiſche Philologie in den Zeiten allgemeiner Verfinſterung Europa erleuchtet, uns namentlich Mittel geboten, das verunſtaltete Chriſtenthum wieder zu erkennen, ſo verdient ſte unſern Dank, und wir wollen ſie mit ehrender Anerkennung zu Erinnerungs⸗ zeichen in unſern Rüſtkammern aufhängen, als Waffen, die uns herrlich gedient,— und ſie der Wiſſenſchaft überlaſſen. Noch einmal in derſelben Weiſe uns ihrer zu bedienen, könnte nur dann räthlich ſein, wenn die ganze Errungenſchaft unſerer modernen Bildung auch bis auf die gedruckten Exemplare unſerer Volksſchriftſteller und der Bibel wären verloren gegangen, und dann möchte ſie leicht ein gleiches Geſchick ergriffen haben(Raumer). Bis dahin wollen wir unſere Jugend, die nicht dem gelehrten Berufe nachgeht, und doch an der Bildung unſerer Zeit einen nicht zu verkümmernden Antheil haben ſoll, getroſt zu den herrlichſten Blüthen führen, die unſer in dem allgemeinen Weltgeiſt wurzelnder deutſcher Nationalgeiſt getrieben hat. An dieſem— nicht am Schofel— ſollen ſie kennen lernen, was der Deutſche ſei, wie er ſich darſtelle; und ſo ſollen ſie ihn lieben und ehren lernen. Ja Vaterlandsliebe ſollen ſie lernen, denn alles Andere iſt neben dieſer nicht der Erwähnung werth, und alles Andere iſt ohne dieſe ein Verrath, ein Abfall! Wollte Gott wir würden auf dieſem Wege etwas von jenem übeln Kosmopolitismus— richtiger Allerweltsheit— los, dem wir Deutſche vielleicht hin und wieder einen guten Gedanken, aber daneben und dadurch viele üble Thaten verdanken.(Von


