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Über die Einführung unserer Jugend in die deutsche Literatur
Entstehung
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Biographie des Dichters hinzufügt, und erzählt, was er über ihn geleſen und gelernt hat. Dabei ſagt er denn einmal auch, was er nicht verſteht. Denn wenn ein Kleiner beginnt:Schiller, dieſer große Dichter ſo weiß er das eigentlich nicht. Es geht ihm aber dabei, wie Vielen, die von Tertia an ſagen, Homer ſei der größte Dichter; und es iſt doch oft die Frage, ob ſie es im ſechzigſten Jahre wiſſen und fühlen. Wenn ſie zu hoch reden, klopft man ſie wohl einmal auf die Finger und fragt: aus waſer Macht ſagſt du das? belege es. Sonſt ſchadet es aber nicht, wenn von Klaſſe zu Klaſſe bei der natürlich often Wiederholung deſſelben, anerkennende, liebende Urtheile wie ſtereotyp werden, wozu ihnen das Verſtändniß erſt ſpäter aufgeht, beſonders da ſie doch bei den ſechs verſchiedenen Lehrern ſich immer erweitern, neue Färbung erhalten und Einſeitigkeiten ſich mindern. Da mögen einmal die Kinder reden, die Schulwände hören, was für deutſche Edelſteine verborgen liegen, vom Schaum und Sande der Zeitvertreibs⸗Lectüre verdeckt. Unſere Schüler lernen aber dadurch Biographien großer Männer kennen, leſen ſie, prägen ſie dem Gedächtniß ein, der Lehrer giebt ſein Wort dazu, wozu? ſieht Jeder ein. Das Hinzugefügte knüpft ſich meiſt von ſelbſt an das declamirte Stück, und giebt der Mittheilung des Schülers leicht und merkbar eine anſchauliche, ſittliche, literariſche Wendung, durch die der Schüler ſeinen geſchilderten Dichter nun in dem Gedichte wieder findet.

An Menſchen rankt ſich ja immer die wahre Liebe empor, weit mehr, als an bloßen Worten und Gedanken. Da hören ſie alljährlich, von wie gar großer Noth des Verkennens, Verachtens, Darbens bedrängt die deutſchen Geiſter aus Begeiſterung der Liebe ihres Volkes Ehre in der Welt wieder hergeſtellt haben, von der wir zehren, auf die wir pochen, und deren Urheber wir vergeſſen. Aber unſere Jugend ſoll ſie nicht vergeſſen, ſoll nicht nur ihre Werke in den Geiſt aufnehmen; ſondern auch ihren Kampf der Mühe ins Herz! Ich kenne den Eindruck, den Schillers genauere Biographie auf die Schüler macht, ihm ſind nicht die Teppiche von Verſailles und Sansſouci untergebreitet worden, mit blutenden Füßen floh er aus Stuttgardt zum deutſchen Volke, ihm zu Liebe ſtudirte er ſich todt, und ließ etwas mehr als ſeine Werke und ſeine Feder nach; aber nicht viel doch ſie bleiben, wenn alle Schillerdenkmale werden verfallen oder zerſtört ſein. Der deutſche Kaiſer erhob Schillern ſpäter in den Adelſtand; Herder, Göthe, Schiller erhoben den Cotta zum bayriſchen Standesherrn. Wohl dem, der von ſolchen Männern geadelt wird, ſo wünſchte ſich Alexander einen Homer, Schiller aber ſchrieb die Theilung der Erde! Das muß unſere Jugend immer wieder hören, dadurch werden gar viele Urtheile in ihr berichtigt, ihr Geſichtskreis zu einer gar weitausgreifenden neuen Betrachtung der Menſchen und Thatſachen befähigt, ihr Herz wird an einer gar rechten Seite ſchmerzlich berührt, nicht mehr durch ein bloß gedachtes, ſondern durch ein wirkliches Verhältniß, durch ein Verhältniß, für welches die Theilnahme aller Völker und Zeiten entſchieden hat und entſcheiden wird, dem ſich nur der Vandale entziehen kann. So wie im Leben überall die Empfindung dem Denken, Wollen, Handeln vorausgeht, die äußere und innere Empſindung der Boden iſt, in dem das ganze geiſtige Leben ſeine Wurzeln hat, durch die es mit der Außenwelt in ſteter Berührung bleibt und ſtets neue Nahrung empfängt: ſo muß man auch bei der Menſchenbildung dieſer Seite zuerſt die nöthige Sorge und Pflege angedeihen laſſen. Wer hält nicht einen Körper für wohlgerathen, in dem eine empfäng liche Spannkraft der Empfindung zart und fein aufnehmend, ſchnell reagirend, elaſtiſch wirkt? giebt dieſes nicht dem Körper einen Ausdruck, der ihn auf den erſten Blick von dem des Barbaren unter⸗ ſcheiden läßt? Noch mehr aber iſt dieſes bei der Bildung unſerer geiſtigen Empfindung der Fall. Sie

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