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Klaſſe, mit der die dritte Bildungsſtufe beginnt, weitergeführt. Nach Schafers Grundriß der deutſchen Literatur wird nun eine mehr innerlich zuſammenhängende Vorſtellung von der allmählichen Ausbildung unſeres geiſtigen Lebens angebaut. Die Geſchichte des Mittelalters, nach Schmidt, giebt den Schülern eine Ahnung von der innern und äußern Wechſelwirkung, in welche die Völker Europa's und die hervorragenden Stände, beſonders durch die Kreuzzüge unter einander treten. Sie begreifen, wie ſich dieſes in der Literatur des 13. Jahrhunderts offenbart, ſich im 15. und 18. wiederholt. Luther, der dreißigjährige Krieg, die von allen Grenzländern nach dem Mittelpunkt von Deutſchland dringenden Strahlen, zuſammengefaßt in den Bremiſchen Beiträgen, die Befreiung und Erhebung durch Leſſing und Klopſtock ſind die Geſichtspunkte, welche beſonders hervorgehoben werden. Herders Verdienſt um das Vollsthümliche, deſſen Verklärung in Göthe, Uhland ꝛc. wird noch angedeutet, Bürger und der Hainbund nicht übergangen. Wie Ernſt und Heiterkeit in Haller und Hagedorn getrennt, in den Bremiſchen Beiträgen vereinigt, in Klopſtock und Wieland noch weiter auseinander getreten, bis ſie ſich zuletzt in höherer Einheit durchdrungen, wird anſchaulich gezeigt; der Geſchmack der Schüler am Hohen, Komiſchen, Niedrigen, Würdevollen, Einfachen, Schönen geprüft.
Beim Leſen ſoll nicht nur eine Bekanntſchaft mit den verſchiedenen Producten der Dichter vermittelt werden, dieſes muß mehr der Privatlectüre überlaſſen bleiben, die wir durch unſere Bibliothek zu leiten ſuchen; wir verſuchen ein äſtetiſches Verſtändniß anzubahnen. Zu dem Zwecke wird das Wichtigſte aus der Metrik behandelt, auf die Wichtigkeit der Form hingewieſen, Alliteration, Aſſonanz, als beſondere Form des Verſes und als Figur an Gedichten gezeigt. Die Bedeutung des Reims, der
accentuirenden und quantitirenden Versmaße werden beſonders an der Nibelungenſtrophe, an Schillers
Taucher und einigen Platenſchen Gedichten fühlbar gemacht. Einige Klopſtockſche Oden werdem dem Inhalte und der Form nach ſorgfältig behandelt, damit die Schüler für das Tiefe und Innerliche, das Reiche und Mannigfaltige, das Kräftige und Gewaltige, das Einfache und Schöne Empfindung bekommen. Dazu bietet beſonders die Leſe⸗ und Declamirübung Gelegenheit dar. Die Betonung muß die Schüler zu der Auffaſſung des Ganzen führen, indem ſie das Gefühl derer, die da reden, handeln, leiden, durch den Ton ſelbſt in ſich ſchaffen. Was der Ton ausdrückt, kommt ins Herz, wenn auch noch nicht klar in den Begriff. Durch ſolche Uebungen tritt beſonders Schiller hervor, nach deſſen ausführlicher Lebensbeſchreibung(Hoffmeiſter, Schwab und Gervinus) öfters die Schüler ſich gezogen fühlten. Die biographiſchen Studien gehen fort; Aufſätze, freie Vorträge, ja der ganze deutſche Unterricht bewegt ſich um das Kennenlernen des deutſchen geiſtigen Lebens.
In der erſten Klaſſe wird dieſes in erhöhter Weiſe fortgeſetzt und dahin gearbeitet, daß die Schüler ihr Volk geiſtig begreifen lernen, um es zu achten, zu lieben. Wie ein Blick in die Schulnach⸗ richten zeigt, wird auch hier die Kenntniß der engliſchen und franzöſtſchen Literatur mit herangezogen. Die deutſche Lectüre ſchloß ſich im letzten Jahre an das Cpos an, ein andermal an das Drama, dann wieder an einen Mann,(Schiller) und von dieſem Punkte aus wird die Periode von 1740 deutlich gemacht, die Declamation und die freien Vorträge werden mit in dieſen Kreis hereingezogen, die Liebe zum deutſchen Geiſt und Weſen beſonders an große Namen angeknüpft, daher die bio⸗ graphiſchen Studien hier erſt recht ausführlich betrieben werden.
Um dieſes insbeſondere recht einzufleiſchen und einzugeiſten, iſt ohne Ausnahme in allen Klaſſen unweigerlich jedesmal Geſetz, daß beim Declamiren der Schüler freiſtehend vor der Klaſſe eine


