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einer Stube voll Kinder kann gegründet werden. Welcher Erwachſene— ich nehme die haute volée aus*)— fände nicht ſeinen Meiſter in Hebel— und wie gerne, wie nützlich hören ihn die Kinder. Hierüber ſpricht Rouſſeau, mit dem ich mich ſonſt eben nicht Vert a9s, bei Gelegenheit der Lafon⸗ tainiſchen Fabeln ein Wort, das aus dem Ganzen gehauen iſt.
In der ſechſten Klaſſe wird nun beim Leſen der erſte Curſus des Wackernagelſchen Leſebuchs gebraucht, und beſonders darauf gehalten, daß der Knabe ein Gefühl für ſeine Mutterſprache erhalte, daß er ihre einfache Kraft und Anmuth ahne und ſeine Freude daran finde. Es bietet in Erzählungen, Schilderungen, Gedichten einen Kreis aus der geiſtigen und natürlichen Welt, den der Knabe nach ſeinen Hauptmomenten umſpannt. Richtiges Ausſprechen, Verſtehen, und Aneignen ſind die Punkte, auf die gehalten wird. Die Verfaſſer werden genannt, irgend eine bedeutende Notiz über ſie hinzu⸗ gefügt, wo möglich ein Bild von ihnen gezeigt, ſo daß ſich mit dieſer Welt eine Art von Bekannt⸗ ſchaft anknüpft. Weſentlich gleich iſt der Unterricht in der folgenden Klaſſe, der ſich an den zweiten Curſus von Wackernagels Leſebuch anknüpft. Sie lernen hier den mitgebrachten Reichthum zuſammen⸗ faſſen; ſummiren, was ſie von einem Verfaſſer ſchon geleſen, gelernt haben, zu dem, was ſie hier bekommen. Eine Reihe von Sprichwörtern führt ſie in die Volksſprache ein. Das Reproduciren des Geleſenen iſt, wie in der vorigen Klaſſe, die Probe, ob die Kinder fleißig und genau aufgenommen haben. Gut wiedererzählen wird zu einem Ehrenpunkte gemacht. Der dritte Curſus von Wacker⸗ nagels Leſebuch regiert in der vierten Klaſſe, er iſt reicher an Inhalt, dehnt der Kinder Geſichtskreis aus, zur erzählenden, beſchreibenden tritt die ſchildernde Form, das Hiſtoriſche tritt ein. Das Ethabene, beſonders aus der Natur, findet ſeine Stelle, und immer ſind nur die beſten Meiſter hereingelaſſen. Auch Komiſches und Scherzhaftes findet ſich, die Knaben ſollen nicht glauben, daß Wahrheit und Weisheit nur finſter und ernſt ausſehe, ſte ſind ja ihrer Natur nach heiter. Beſonders findet hier auch der religiöſe und vaterländiſche Sinn ſeine Pflege, aus den bedeutendſten Geſchichtſchreibern ſind Abſchnitte eingefügt, die bei der Wiederkehr der Tage, auf welche ſie ſich beziehen, geleſen werden. Man ſieht in dieſer Klaſſe ſchon auf den Wohllaut; Gegenſätze ꝛc. müſſen in entſprechender Betonung vorgetragen werden, der Knabe muß zeigen, daß er auch empfinde, was er lieſt. Mündliche Repro⸗ duktion und fortgeſetzte Erweiterung der biographiſchen Kenntniß verſtehen ſich von ſelbſt.
Die dritte Klaſſe, welche unſere zweite Bildungsſtufe abſchließt, giebt an der Hand der deutſchen Geſchichte eine zuſammmenfaſſende Ueberſicht und geſchichtliche Andeutung von der periodenweiſen Entwickelung unſerer Literatur, und mit Anſchluß an Wolſs poetiſchen Hausſchatz werden die verſchiedenen Dichtungsarten zur Anſchauung gebracht. Die Lectüre aus dem poetiſchen Hausſchatz ſchließt ſich beſonders an das Epiſche an. Lautes, deutliches, in jeder Beziehung richtiges Leſen wird beſonders bezweckt. Was zur Belebung des Sprachgefühls, zur Bildung des Geſchmacks, des Urtheils ſich angemeſſen zeigt, wird herangezogen, beſonders die einheitl iche Auffaſſung des geleſenen Stückes vermittelt. Biographiſche Studien gehen fort.
In dieſer Klaſſe iſt zu den biographiſchen, phonetiſchen, logiſchen, reproducirenden Momenten hinzugetreten die geſchichtliche Ueberſicht, vorerſt nur in Umriſſen, das Hinweiſen auf ihr Daſein und das Aufmerken auf die verſchiedenen Arten von Gedichten, ihre Namen. Dieſes wird in der zweiten
*) Die deutſche Sprache hat kein Wort.


