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Über die Einführung unserer Jugend in die deutsche Literatur
Entstehung
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Klaſſe Wackernagels Leſebuch gebraucht, und ſein Inhalt entſpricht unſerem Zwecke, wie kein anderes uns bekanntes; es iſt deutſch, natürlich, nicht zu weiſen Betrachtungen auffordernd, aber zu ſehr verſtändigen. Die Bemerkungen ſtehen auch nicht dabei; ſondern ſie geben dem Schüler und Lehrer Zeit und Muße, Alles und Jedes anzuknüpfen, eben darum nur das, was ſie wiſſen, was aus ihrer Mitte und Erfahrung entſpringt. Alſo nicht die Fehler des Pontius, nicht die Tugenden des Pilatus was gehen die die Knaben an ſondern Karl, Ernſt ac. deine eignen ſtehen in dem Buche, denn in einer Begebenheit, in einem Schwank liegt Alles und Jedes, es iſt ein Stück aus der Welt, da⸗ raus läßt ſich die Welt conſtruiren. Man braucht nur den Schwank tüchtig darauf anzuſehen, oder ihn nach hinten oder voran zu erweitern. So wird es nun des Schülers eigne Wahrheit. Welcher Lehrer möchte ſich hiezu die einfachen Fabeln, die Hebel'ſchen Erzählungen rauben laſſen? Noch dazu die koſtbaren Mährchen, wo es die Knaben ſo koſtbar leſen, was ſie wünſchen ach wenn's ſo wäre aber es iſt nicht ſo! Man muß die Kinder zum Spaß in das Schlaraffenland führen, ſie wie durch ein Loch im Zaune hineinblicken laſſen, damit ſie zeitig bemerken, wir ſind nicht drin; daß aber ſelbſt bei dieſem holden Lande immer ein Aber dabei iſt, und wär's auch nur ein einzig Härchen am ſchwarzen Bock, dann Ade Genick! Auch lernen ſie dabei rechtzeitig und nützlich ſich ärgern, ängſtigen, freuen für Andere, obgleich ſie ganz unbetheiligt dabei ſind; denn wer ſich als Knabe über alles, was Schuft heißt, recht nützlich und tüchtig hat erboßen, wer für die Unterdruͤckten in den Mährchen recht hat mit ſorgen und fürchten gelernt, hat im Herzen mehr gelernt, als ſeine Zunge zu ſagen weiß, ſicherlich mehr, als ganze Roſenkränze voll Gnomen und Sittenſprüche in ihn hineinbringen könnten. Dieſe Geſchichten aber und Fabeln und Maͤhrchen merken ſie, denn ſte haben ſie gern, können dabei fühlen und denken; die Sentenzen aber vergeſſen ſie, ſie mögen ſie nicht leiden(die natür⸗ lichen Knaben, ich rede nicht von den heuchleriſchen, altklugen), denn ſie können nichts dabei denken, geſchweige denn fühlen; und dieſes wollen ſie doch, der abſtracte Gedanke macht keine Freude, aber das Gefühl, die Luſt erwacht am Thatſächlichen.

Wie wichtig hierbei die glückliche Wahl des Leſebuches iſt, weiß ich aus früherer Erfahrung, da mich die unglückliche lange genug gepeinigt hat. Als ich dieſen Unterricht in der Elementarklaſſe gab, hatte ich ein Leſebuch, in dem an der Spitze des poetiſchen Theils die Gellert'ſche Fabel von den Affenmüttern ſtand. Urſprünglich recht gut gemeint, aber was wollte ſie bier? Abgeſehen von der barbariſchen erſten Periode, der altklugen naivthuenden Sprache, dachte ich, wenn ſie geleſen wurde, Wenn doch die Eltern da ſäßen, denn die bekommen eins. Aber was mit den Kindern machen? Nun es ging, weil es gehen mußte, ob aber nicht der eine und der andere Vocativ dabei gedacht hat, es iſt den Eltern ſchon recht, daß wir ihnen hier den Text leſen! wer weiß. Item es glaubt freilich Mancher,wer für die Großen nicht ſchreiben und ſammeln kann, der kanns doch für die Kleinen. Weit gefehlt! Sieht er nicht, daß, was er Unnützes, Böſes, Verkehrtes, Vorlautes, Rumorendes in ſie hineinbringt, hier weit ſchädlicher iſt, als bei Erwachſenen. Sind die Erwachſenen klug, ſo leſen ſie ihn nicht; aber ſo ein Buch wird auf Befehl allen Kleinen in die Hand gegeben, und dieſe ſollen daraus klüger und beſſer werden. Wer aber das können, wer die Kinder erbauen will, der muß naiv⸗ natürlich, aber ſehr edel natürlich ſein, der muß eine ganze Welt voll Weisheit, er muß die ganze Liebe Gottes in ſich tragen, muß ſich reſigniren, muß einen ganzen Qualm und Wuſt von einge⸗ dünkelter Weisheit von ſich werfen, um den kleinen ächten Kern herauszufinden, auf den die Weisheit