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Soll die Lectüre der deutſchen Claſſiker, weil ſie uns näher ſtehen, dem Leſen der Alten, ſoviel möglich vorangehn, das deutſche Drama, deutſche Reden den alten griechiſchen und römiſchen Reden und Dramen; ſoll die richtige Interpretation zuerſt an deutſchen Werken geübt werden: ſo müſſen, aus denſelben Gründen, in den ober⸗ ſten Claſſen die Verſuche in der Kritik bei den deutſchen Werken anfangen. Für die höhere Kritik laſſen ſich Aufſätze von Claſſikern aus den früheren Zeitſchriften ſammeln; ſolche Aufſätze nämlich, die nur angeblich von bekannten Claſſikern herrühren, und über die man die Frage ſtellen kann, ob die Gedanken, der Styl und die Sprache mit den anerkannten Schriften und mit dem, was man ſonſt von dem Schriftſteller weiß, übereinſtimmen. In der niederen oder Wort⸗Kritik können Verſuche, ſofern ſie ins Gymnaſium gehören, theils an altdeutſchen Gedichten gemacht werden, theils an den Ramler'ſchen ſ. g. Verbeſſerungen(z. B. in der lyriſchen Blumenleſe) und an manchen ſpäteren Verbeſſerungen(angeblich) von der letzten Hand der Schriftſteller. Ich erinnere an die verſchiedenen Lezarten in den beiden neueſten, raſch nach einander herausgekom⸗ menen Ausgaben der Schiller'ſchen Dramen.(Schillers Werke bei Cotta.)
K. 18.
Indem ich uͤber das Threſtomathien⸗Weſen meine Meinung abgeben will, ſtreife ich nahe an die Frage, die ich von dieſer Abhandlung ausgeſchloſſen habe: Welche hoch⸗ deutſche Claſſiker ſind auf Gymnaſien zu leſen? Eine Kritik der Claſſiker aus dieſem Geſichtspunkte wuͤrde den doppelten Raum erfordern, den dieſe Abhandlung ſchon ein⸗ nimmt. Ich gedenke ſie noch einmal nachzuliefern, wenn ſich Gelegenheit ergiebt. Die Frage, ob die Gymnaſial⸗Schuler mit den Claſſikern, wenn ich ſo ſagen darf, chre- stomathetice, chreſtomathiſch, durch Chreſtomathien, durch Fragmente, bekannt wer⸗ den ſollen, betrifft noch das„Wie?“ und gehört alſo in dieſe Abhandlung. Das darf man, ohne Widerſpruch fürchten zu müſſen, frei ſagen, daß trotz der Unzahl


