2, man habe genug gethan, wenn das Stück einmal geleſen und dabei alles erläutert, erwogen und angemerkt ſei: ſo könnte ich zuerſt antworten, daß dieſer Einwurf ſchon im Vorherge⸗ henden ſeine Widerlegung finde, und dann, daß eigenes Begebniß jeden lehre, wie das immer⸗ währende Unterbrechen mehr oder minder ein immerwährendes Stoͤren ſei, worüber der vom Schriftſteller durch die Fülle des Ganzen beabſi chtigte Eindruck ſehr geſchwächt werde. Wie viel mehr dieſes alles vom Schuler wahr ſei, brauche ich nicht zu eroͤrtern. Alſo, was ſtatariſch zu leſen iſt, wird zweimal geleſen. Man kann aber an⸗ nehmen, daß der Schüler, wie andere Stücke der Regel nach das erſte Mal, ſo auch dieſe das zweite Mal fuͤr ſich zu Hauſe leſe, und daß er in der Schule nur Rechenſchaft darüber ablege. Es verſteht ſich übrigens von ſelbſt, daß auch die rurſoriſche Lectüre es nicht ausſchließt, daß hier und da eine erläuternde Anmerkung zugeſetzt werde. Wenngleich ich nun die zweite und dritte Forderung genng eröͤrtert und begrün⸗ det zu haben glaube; ſo drängen ſich doch ſo viele Bemerkungen dabei auf, daß ich den§. noch nicht ſchließen will, um anmerkungsweiſe wenigſtens noch Einen wichtigen Punkt zuzuſetzen. Wenn ich die Forderung ſtellte, daß das Geleſene nach Stoff und Form geprüft würde: ſo iſt dadurch auch der leidigen Nachbeterei das größte Hin⸗ derniß gelegt, und es ergiebt ſich beſonders für didaktiſche Werke aller Art die wich⸗ tigſte methologiſche Folgerung. Die Gedanken anderer ſind als die Reſultate ihrer Kenntniſſe anzuſehen, und nun ſollen ſie die Reſultate der Kenntniſſe werden, die der Schüler beſitzt! Das Erſte iſt da freilich, daß der Schüler das Geleſene mit eigenen Worten zu ſagen verſucht; aber dabei bleibt es noch immer ein fremdes Reis, das nicht den Urſprung und das Wachsthum durch die Säfte dieſes Stammes gewonnen hat, und es beſteht noch die Ungewißheit, ob es fortleben oder verwelken wird. Will man möglichſt gewiß ſein, daß der Gedanke Reſultat der Kenntniſſe, die der Schuͤler beſitzt, geworden ſei: ſo hat man gar oft weit auszuholen und vorerſt den Schrift⸗ ſteller ganz bei Seite zu legen. Der Schuler muß veranlaßt werden, von ſeinem Standpunkte aus, nach ſ einer Fähigkeit zu prüfen d. h. in ſeiner eigenen Weiſe das Geſagte zu entwickeln, oder auf Sätze zurück zu kommen, die ihm ſelber gelaͤufig