tiefes Gemüth habe? Läßt er uns wirklich das Unendliche ahnen? Sage noch ein⸗ mal mit eigenen Worten, wie die Vorſtellungen in dem fromm gerührten Gemüthe des Dichters auf einander folgten. Sind die Übergänge ausgeführt? warum nicht? Wenn das den Hymnen und den Oden überhaupt, zu welchen ja auch die Hymnen gehören, eigen iſt, ſind denn wirklich nur die Höhenpunkte der Empfindung gezeichnet, oder hat der Dichter doch irgendwo auch das Entſtehn, das Wachſen, das Abnehmen der Empfindung beſchrieben? Iſt ein ſ. g. lyriſcher Abſprung zu bemerken? Wie iſt derſelbe hier zu erklären? iſt er wirklich durch die Hauptempfindung veranlaßt? thut er dem Eindruck, den die Hauptempfindung hervorbringen ſoll Abbruch, oder macht er nur, daß die Hauptempfindung von neuem in aller Stärke das ganze Gemüth des Dichters in Bewegung ſetzt? Gieb jetzt noch mahl an, wie alles Einzelne zu Einem Ganzen verbunden iſt. Durch welche Eigenſchaft zeichnet ſich der Ausdruck aus? In welchen Stellen iſt dieſe prägnante Kürze beſonders zu bemerken? Wie kann man dieſe Stellen umſchreiben? Hat der Verfaſſer neue, treffende, kühne Bilder, ſeltene Wörter und Redensarten gewählt? Warum ſetzte der Verfaſſer gerade hier das kühne Bild ſtatt der Sache, die ſeltenen Wörter und Redensarten ſtatt der gewöhnlichen? Wo iſt der Rhythmus dem Inhalte vorzüglich angemeſſen? Hat der Dichter durch den Klang der Wörter vernehmbar etwas vom Inhalte angedeutet?(S. Poetiſche Chreſto⸗ mathie für die vierte und fünfte Schule der Gymnaſien im Hochſtifte Münſter; Ein⸗ leitung.) An dieſen Proben werde ich wohl deutlich gezeigt haben, was ich unter Reflexion auf Stoff und Form verſtehe. Dieſe Forderung verhält ſich nun zu der erſten, wie dasWarum? zumWas?« und die Begründung iſt leicht. Denn wenn das Leſen ein dναωνυνννυᷣοσνέκν, ein Wiedererkennen iſt; ſo iſt es mit dem Verſtandes⸗Erkennen, nach der erſten Forderung, nicht vollendet; es muß, wenn es vollkommen werden ſoll, das höhere, das Vernunft⸗Erkennen hinzukommen. Die Jugend muß alſo nicht bloß müſſig beſchauen, ſondern mit dem Geiſte verarbeiten, und dadurch das Wahre und Vortreffliche für immer in der Seele bewahren. I 4 1