23 Mit dieſer Anforderung kündigen wir nichts neues an, aber etwas ſehr wichti⸗ ges, für unſeren Zweck unerläßliches. Denn ſo wird der Schuler dem Schriftſteller in der Hauptſache nachdenken, nachempfinden und den Plan eines Stuͤckes auffaſſen lernen; ſo kann er(wie ich es nennen möchte) dem Productions⸗Proceſſe des Schrift⸗ ſtellers nachkommen, den großen Mann beobachten und gleichſam gegenwärtig ſein bei der Anlage und Ausführung des Werkes; ſo läßt er noch einmal das Werk vor ſeinen Augen entſtehn. Iſt man nur überzeugt, auf dem angegebenen Wege das zu erreichen, nimmt man ſomit die Sache ſtreng: ſo wird man ſehn, wie thätig der Schüler dabei wird, wie viele Gelegenheit zum Sprechen, zum Aliwehren und Berichtigen und zum Entwickeln ſich darbietet. F. 10. Hat nun der Schuͤler das Werk in der Anlage, den Haupt⸗ und Nebentheilen, den Ubergängen, und wieder als ein Ganzes aufgefaßt: ſo kommt die weitere Reflexion auf Stoff und Form an die Reihe. Auf die unterſten Claſſen kann aber dieſer§. keine Anwendung finden, weil er ſchon bedeutende Ubung im Denken und Leſen vor⸗ ausſetzt; in den folgenden Claſſen wird darauf näher vorbereitet; in den oberen dürfte der Gang ſo zu nehmen ſein, wie ich ihn hier angeben will. Ich ſtelle an den Schuüler folgende Fragen: Wie fern iſt das Thema ausgeführt? iſt es erſchöpft? Iſt jeder Haupttheil hinreichend ausgefuhrt? Sei es, daß das Gefühl und die Phan⸗ taſie an der Anordnung Theil hatte, oder daß der berechnende Verſtand allein den Plan machte; folgen die Theile gehörig auf einander? Sind die Übergange untadelig, d. h. ergeben ſie ſich durch die Sache ſelber, durch das Vorhergehende, durch den auszu⸗ führenden Haupttheil des Ganzen? Iſt ein Haupttheil ſehr ausfuͤhrlich dargeſtellt? warum dieſer? 4. Iſt das Werk proſa oder Poeſie? Warum Poeſie? Iſt das ganze, ſo wie es da iſt, nur erdichtet, oder auch, iſt das Ganze mehr mit