— 22— Offenbar müſſen nur die edelſten Werke in Proſa und Poeſie, dem Schuͤler in die Hand gegeben werden, und nicht Werke voll Fehler, die er eta ſoll meiden lernen; denn die Wahrheit behütet am ſicherſten vor Lüge, der Einklang vor Mißton, der erhabene Geiſt vor niedrigem Sinne.(Vgl. Verſuch einer Theorie des deutſchen Styles von Pölitz. Abtb. I. S. 185.) Das Neuhochdeutſche iſt die herrſchende Mundart unſeres Volkes, ſeit drei hundert Jahren die Sprache der Gebildeten in unſerem Vaterlande. In allen Gattungen der Poeſie und Proſa hat unſere Sprache herrliche Muſter, Claſſiker, aufzuweiſen. F. 9. Die Aufmerkſamkeit des Schulers muß vom Anfange der Lectüre an, auf die Haupttheile des Schriftwerkes gerichtet werden. Es kommt hier auf eine genaue Unterſcheidung der Haupt⸗ und Nebentheile an, eine Unterſcheidung, die bei Kunſt⸗Producten, weil die Theile in einander fließen und alles zum ſchönen Ganzen verſchmolzen iſt, wenigſtens für den Anfänger Schwierigkeiten unterliegt; es kommt hier auf eine vollſtändige Aufzählung der Haupttheile an; es kommt hier darauf an, daß der Schuler in ſeinen eigenen Worten die klare Überſicht des Inhaltes geben könne. Die Theile muſſen wieder durch das Thema in Eins zuſammengezogen werden. Bei weitem nicht immer, in Gedichten, aus leicht begreiflichen Gruͤnden, nur ſelten, iſt das Thema vom Schriftſteller zur Überſchrift gewahlt. Da muß es der Schüler nach Zuſammenſtellung der Haupttheile auffinden. Darauf wird der Zuſammenhang der Haupttheile untereinander und mit den Re⸗ bentheilen betrachtet, d. h. wie der Schriftſteller alles Einzelne zum beabſichtigten Ganzen verbunden habe.


