— 1— um richtige Anleitung zur Entwickelung dieſer Anlage handelt es ſich, und eben dazu ſoll dieſe Abhandlung etwas beitragen.(Vergl. K. W. Krebs, Über geſthetiſche Bildung der Jugend; Schiller, Über den moraliſchen Nutzen aeſthetiſcher Sitten.) S. 7. Wir können alſo den§. 5. mit Beruckſichtigung der vorhergehenden§.§. angege⸗ benen Zweck der Lectüre ruhig beſtehen laſſen.„Durch die Lectüre deutſcher Claſſiker ſoll der Gedanken⸗ und Sprachſchatz bereichert und die vollkommene Form gefaßt und liebgewonnen werden.“ Nach dieſem Zwecke wird die Methode der Lectüre, im All⸗ gemeinen zu beſtimmen ſein; das Beduͤrfniß der Gymnaſial⸗Jugend muß aber als Mitbeſtimmungsgrund überall im Auge gehalten werden. Auch iſt zu bemerken, daß wir nicht, alle mögliche Regeln der Lectuͤre hier zu-⸗ ſammen zu ſtellen, im Falle ſind. Die Regeln können entweder bloß nützlich oder durchaus nothwendig ſein. Die nothwendigen ſind allemal nützlich, aber nicht umge⸗ kehrt. Und da die nützlichen nach den zufälligen Umſtänden zu geben und darum un⸗ zählig ſind: ſo ſchränken wir uns mit Recht auf die nothwendigen Regeln ein. F. 8. Was ſind neuhochdeutſche Claſſiker? Solche Werke haben wir zur Bildung der Jugend zu wählen, die dem Stoffe, dem Style und der Sprache nach zu den vortrefflichſten unſerer Literatur gehören. Die Verfaſſer der aeſthetiſch vollkommenſten Werke werden, wie die vornehmſten Bürger in einer altrömiſchen Volkseintheilung, Claſſiker eines Volkes genannt. Gewöhnlich braucht man den Ausdruck Claſſiker auch metonymiſch für die elaſſiſchen Schrif⸗ ten. Unter den Claſſikern ſind alſo diejenigen zu wählen, welche allen vorgenannten Forderungen am meiſten genügen.


