— 20— Planloſe, Widrige und Häßliche? Wer in ſeinem Inneren keine Ordnung hat, den erfreut ſie auch nicht, wo er ſie außer ſich findet; wer die innere Heiterkeit und Ruhe zerſtört hat, der wird von außen keine Freude und keinen Frieden holen. Die Frage können wir jedem zur Prüfung an ſich ſelber vorlegen, ob er nicht das Schöͤne in eben dem Maße empfand, in welchem er das Gute liebte. Wie fern bleibt alſo jene Behauptung beſtehen? Sofern es Werke der ſchönen Kunſt giebt, die der Jüngling nicht als ſolche faßt, und ſofern es Werke der Kunſt giebt, die nicht das Schöne darſtellen, ſondern das bloß ſinnlich Angenehme. Man wird meine Antwort ohne Zweifel rechtſchaffen nennen, wenn ich den Zuſatz mache, vor den Werken der genannten Art ſein die jungen Leute auf das ſorgfältigſte zu be⸗ hüten. Soll man aber des Mißbrauches wegen ein ſo vortreffliches Bildungsmittel ſchlechthin verdammen? Soltte ſich nicht die Nothwendigkeit einer weiſen Anleitung zur Lectüre einzig, hiedurch herausſtellen? Ich habe das geſthetiſch Wohlgefällige bis hieher nur als Mittel betrachtet, nun muß ich es noch als Zwecke anerkennen. Fähigkeit für Wohlgefallen am Schönen und Erhabenen iſt eben ſo gut nothwendiges Vorrecht des Menſchen, als Intelligenz und ſittliche Freiheit. Denn jene Fähigkeit iſt nicht eins und dasſelbe mit der ſinnlichen Natur allein, oder der vernünftigen allein, ſo ge⸗ wiß ſie durch jede von beiden bedingt iſt; aber auch das Gute oder anders gefaßt die Freiheit iſt ohne die vernunftige Natur nicht möglich und doch von ihr verſchieden.— Schon das Kind wird gerührt, wenn es in dem ſinnlichen Mannigfaltigen die Einheit, Ordnung, oder Harmonie auffaßt; ſollen wir dieſe Anlage nun nicht ausbilden? Duͤrfen wir eine unſerer edleren Kräfte(die uns über das Thier erheben) unausgebildet laſſen? Das hieße auf einen Theil unſerer Menſchenwuͤrde verzichten und würde uns vor uns ſelber verwerflich machen. Alſo, nur um wahrhaft menſchliche(humane) Ausbildung,


