— 19— mittel der Jugend, nothwendig oder auch nur anzurathen? Die Liebe zum Aeſthe⸗ tiſchen führt von dem Ernſt' der Wiſſenſchaft ab, und, was nach ſchlimmer iſt, wie mancher Jüngling hat das Edelſte, was er beſitzt, ſein reines, unſchuldiges Herz dabei verloren!“ Die Behauptung— denn das iſt die Frage— ſtützt ſich alſo auf die wichtigſten Intereſſen der Menſchen, auf Tugend und Viſſeenſchaft; ſie iſt von den trefflichſten Männern geſtellt, hallt mehr oder minder in dem Herzen eines jeden Jugendfreundes wieder, und ruft alſo zur ſtrengen Unterſuchung auf. Die Wiſſenſchaft fordert ernſtes Nachdenken; ſoll aber der Jüngling mit Ordnung, mit richtiger Wahl ſtudiren lernen, und nicht über alles, was und wie es ihm vor⸗ kommt, herfallen, ſoll ſein Wiſſen nicht ein regelloſes Chaos werden: ſo muß er ſeinen Geſchmack bilden; ſoll ſein Wiſſen nicht dürr und unfruchtbar für andere ſein, ſo muß er durch richtigen, gebildeten Geſchmack auch in anderen die Liebe für das Wahre und Rechte erwecken lernen. Der richtige Geſchmack füͤhrt zu ſchnellen und ſicheren Fortſchritten in der Wiſſenſchaft und macht die Wiſſenſchaft erſt recht anwend⸗ bar. Waren nicht die Männer, welche uns mit den unnützen ſcholaſtiſchen Spitzfün⸗ digkeiten verſorgten, die geſchmackloſeſten Denker? Trifft nicht der Zeitpunkt der Wie⸗ derbelebung der Wiſſenſchaften mit der Wiederherſtellung des beſſeren Geſchmackes zu⸗ ſammen? Sind nicht immer die Förderer echter Wiſſenſchaft auch die Förderer des richtigen Geſchmackes geweſen? Der Geſchmack führt alſo zur Wiſſenſchaft hin. Und ferner, wohin ſollte das Wohlgefallen am Großen und Erhabenen führen? am Erhabenen, das wir nicht mehr faſſen koͤnnen, und das uns das Unendliche im Endlichen ahnen läßt? Wozu könnte der Abſcheu vor allem Niedrigen, und die ſtete Richtung auf das Edele dienen? Muß ein Gemüth, das ſeine Luſt am Erhabenen findet, nicht von der vollſten Liebe zu Gott und zur Tugend entzuͤndet werden? Nichhs iſt erhabener, als der lebendige Gott und die vollkommene Tugend. Dazu, wohin könnte das Wohlgefallen an Ordnung und Uebereinſtimmung, das Streben nach reiner, ungetrübter Freude führen? wohin der Abſchen gegen das Eckige, Wilde,


