und ihre Darſtellung fuͤhren. Endlich kann nur ſo der junge Sprachforſcher gewiß werden, daß durch die Entwickelung fruchtbarer Hauptideen die Sprache bereichert und verändert wird, und daß, wie Garve ſagt(Sammlung einiger Abhandlungen Thl. II. S. 317.), nicht Grammatiker und Lexikographen, ſondern die großen Schrifſteller die Sprache fortbilden, indem die Nation mit den vortrefflichen Ideen den Ausdruck bei⸗ behält und lieb gewinnt. F. 5. Wir fragen hier nicht nach dem Leſen, ſo fern es, wie Niemeyer ſich ausdrückt, ein Verwandeln des Sichtbaren in das Hörbare iſt, alſo ſelbſt nicht nach dem decla⸗ matoriſchen Leſen; die Lectuͤre fordert das Auffaſſen der Schrift, das, was die Griechen leſen nannten, das dνυκσκάυννονεννν Wiedererkennen. Dieſes Wiedererkennen wendet ſich vorzugsweiſe an den Inhalt; daneben aber verdient die vollkommene Form eine eigene Betrachtung. Der Inlhalt ſoll in dem Jünglinge hohe Ideen wecken; die Ideen ſoll er in der angemeſſenſten Form auffaſſen, und darſtellen lernen, in der lauterſten Sprache ſeines Volks, in der aeſthetiſch vollkommenſten Compoſition. Durch die Lec⸗ türe ſoll alſo der Gedanken⸗ und Sprachſchatz bereichert, die aeſthetiſch vollkommene Form gefaßt und lieb gewonnen werden. Wenn nun ein Bildungsmittel deſto voll⸗ kommener iſt, je mehr es für die Befriedigung der höheren Bedürfniſſe des Menſchen, der intellectuellen, aeſthetiſchen und moraliſchen, geeignet iſt: ſo wird der Lectüre in dem Sinne, in welchem wir ſie angedeutet haben, ein vorzüglicher Rang unter den Bildungsmitteln einzuräumen ſein. Und die Möglichkeit, durch die Lectüre die ge⸗ nannten Zwecke zu erreichen, muß in dieſer Abhandlung nachgewieſen werden. Ehe wir aber weiter gehn ſollen, fordert man von uns eine gerade Antwort auf eine nicht unwichtige Frage.Sind überhaupt, heißt es, aeſthetiſche Bildungs⸗