— 17— ſtände. Zudem foll die Literatur⸗Geſchichte den Schuͤler in die Schriften einleiten, die er leſen muß, aber auf Schulen nicht leſen kann. So ſtellt ſich die fragliche Noth⸗ wendigkeit noch mehr heraus. Man kann nämlich den Schriftſteller in dem Werke, man kaun auch die Schrift als ſolche, ohne Berückſichtigung des Schriftſtellers auffaſſen. Ergiebt ſich nun aus§. 15. daß der Schriftſteller zu berückſichtigen iſt, wenn das Werk ganz und mit Sicherheit verſtanden werden ſoll; ſo wird die Literatur⸗ Geſchiht⸗ das Leben der deutſchen Schriftſteller möglichſt vollſtändig enthalten müſſen. Es iſt ſchon zu Anfange dieſes§. erinnert worden, daß nur der Schuüler in den oberen Claſſen einen zuſammenhangenden Vortrag über Literatur⸗Geſchichte verſtehen könne. Obgleich ich dieſen Satz von mehreren Seiten her betrachten und danach be⸗ weiſen könnte; ſo will ich doch nur, was zu meiner Hauptaufgabe dienen ſoll, an⸗ führen. Um nur ein Urtheil über Einen Schriftſteller, deſſen Productionen und Producte recht auffaſſen zu können, müſſen ſchon ein paar Schriftſteller vorher auf die rechte Weiſe geleſen und geprüft ſein. Weiß der Schüler, wie ſolche Urtheile entſtehen: ſo hat er einen Maßſtab, nach welchem er ſie meſſen oder recht verſtehen kann; er wird es unerläßlich finden, ſelbſt die Schriftſteller ſpäter zu prüfen und nicht, was zu leicht möglich iſt, voll vorgefaßter, feſt ſtehender Meinungen werden; wird zu der Uberzeugung gelangen, daß man nur über einen Schriftſteller urtheilen könne, wenn man möglichſt viel von ihm geleſen hat. Er iſt durch das Leſen ange⸗ leitet worden, die Hauptideen(es giebt bei jedem Original⸗Schriftſteller einige und nur einige) aufzufinden, und zu beobachten, wie dieſe Hauptideen durch den ver⸗ ſchiedenſten Stoff hindurchſcheinen. Vgl.§. 16. Er wird das geiſtige Weſen eines großen Mannes alſo auffaſſen und ſich daran kräftigen. Nicht weniger, hat er die eigenthümliche Darſtellungsweiſe einiger Schriftſteller recht deutlich bemerkt: ſo weiß er, wie viel es bedeuten wolle, in mehreren Formen der Darſtellung ausgezeichnet zu ſein. Unſer Schüler wird es nun faſſen, wie es nicht eben zu viele Original⸗Schrift⸗ ſteller giebt, wie aber dieſe ein Heer von anderen Schriftſtellern durch ihre Ideen 1I 3


